Dankbarkeit und die Herrschaft von Jesus Christus – Aus dem Leben eines Christen (2)

18. September 2013 0 Antworten von Simon

Bisher haben wir gesehen, dass Dankbarkeit ein wesentlicher Bestandteil unseres Christseins ist. Sie ist ein Teil des Lebens, das Gott gefällt (Kol 1,9-12). Des Weiteren drücken wir mit der Dankbarkeit aus, dass Jesus unser Herr ist, und dass er alles gibt, was wir brauchen (Kol 2,6-7). Unser Dank ist ein Anerkennen und Bekennen seiner Herrschaft. Dieser Gedanke ist auch für die folgenden Punkte wichtig.

Seid allezeit dankbar!
Aber wie ich schon angedeutet habe, hat der Kolosserbrief noch mehr zu bieten, wenn es um Dankbarkeit geht. Ab Kapitel 3 behandelt Paulus das Thema, wie Christen leben sollen. Wie du dir jetzt sicher schon denken kannst, ist Dankbarkeit ein ganz wichtiges Thema dabei. Lass uns 3,15 anschauen:

„Und der Friede Christi regiere in euren Herzen. Zu diesem Frieden seid ihr auch berufen worden in einem Leib. Und seid dankbar.“

Wir sollen also Frieden mit unseren Geschwistern im Glauben haben. Aber der nächste Satz ist irgendwie eigenartig. Paulus sagt einfach so, dass wir dankbar sein sollen, ohne zu sagen, wem oder wofür. Wem ist klar: Gott. Aber wofür? Auch im nächsten Vers zählt er keine Gründe auf, sondern kommt schon zu einem neuen Thema. Fehlt da nicht irgendetwas? Nein, im Gegenteil! Für Paulus ist alles gesagt! Verstehst du: Hier müssen jetzt nicht fünf bis zehn Punkte aufgelistet werden, wofür man dankbar sein kann. Ein Christ hat allen Grund dankbar zu sein. Schon allein deshalb, weil er Christ ist. Wir haben vorher in Kapitel 2,6-7 gesehen, dass wir Christen Menschen sind, die Jesus Christus als Herr haben. Und das ist alles, was dazu zu sagen ist. Seid dankbar!

Ich finde das erstaunlich. Erst denkt man, dass das irgendwie keinen richtigen Sinn ergibt, hier einfach so diesen Satz „hin zu klatschen“, so zwischen Tür und Angel. Aber wenn wir Kapitel 2,6-7 im Kopf haben, wird es klar: Gerade dadurch, dass der Satz einfach nur so dasteht, wird er richtig aussagekräftig. Gerade dadurch, dass nicht viel dazu gesagt wird, ist alles gesagt, was gesagt werden muss. Ich kann mir vorstellen, wie sich Paulus mit einem Freund oder Bekannten zu Hause unterhält. Und gerade als der Freund gehen will und schon zur Tür hinaus ist, ruft Paulus ihm noch laut hinterher: Und sei dankbar! Ähnlich überraschend schreibt Paulus diesen Vers in unserem Brief. Egal, worüber sie gerade gesprochen oder diskutiert haben: Dieser Mann hat gute Gründe, dankbar zu sein. Oder anders gesagt: Er braucht gar keine anderen Gründe, als schlicht und ergreifend Jesus Christus als seinen Herrn zu kennen. Das Spannende daran ist, dass wir auch danken können, wenn es uns schlecht geht. Natürlich haben wir dann auch das Recht und sogar die Pflicht, Gott um Hilfe anzurufen. Aber nur weil es mir gerade nicht so gut geht – ändert das etwas daran, dass Jesus der Herr ist und dass er mich durch seinen Tod errettet hat? Niemals. Und darum haben wir immer Grund zu danken. Paulus hat das selbst auch praktiziert. Lies dir mal Apostelgeschichte 16 durch. Da wird er mit Silas eingekerkert. Und um Mitternacht loben sie Gott, und zwar obwohl sie im Gefängnis sind und Schmerzen haben, denn Hände und Füße waren gefesselt.

Irgendwann registrieren sie, wie spät es schon ist und dann sagen sie sich: „Es ist jetzt ja schon längst an der Zeit, Gott wieder zu loben.“ So als gäbe es nichts Selbstverständlicheres, egal ob mit oder ohne Ketten. Genial, oder?!

Aber das ist noch nicht genug. Im nächsten Vers geht es gleich weiter.

Dankbarkeit und das Wort Gottes.
Kolosser 3,16:

„Das Wort des Christus wohne reichlich unter euch, indem ihr euch gegenseitig in aller Weisheit lehrt und ermahnt, und indem ihr mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern Gott in euren Herzen mit Dank singt.“

Dankbares Loben, dankbares Singen, ist ein Mittel, durch welches das Wort Christi unter uns wohnt. Der gemeinsame Lobgesang der Gemeinde ist nicht nur eine Reaktion auf die Verkündigung des Wortes, also auf die Predigt, sondern die Lieder sind selbst schon Verkündigung. Darum ist es so wichtig, dass die Lieder wirklich mit der Botschaft der Bibel übereinstimmen. So lernen wir durch die Lieder falsche Dinge über Gott und seine Errettung.

Wenn wir wieder an 2,6-7 denken, dann heißt „mit Danken singen“, dass wir singen, weil wir Jesus als Herrn haben, und weil wir ihn als Herrn über alle Welt und über die Gemeinde loben wollen.

Dankbarkeit und die Ehre Gottes
Obwohl das alles schon ziemlich beeindruckend ist, kannst du dir mittlerweile denken, dass Paulus immer noch eins draufsetzt. Genau so ist es auch, gleich Vers 17:

„Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, indem ihr Gott dem Vater durch ihn dankt.“

Das ist der Höhepunkt von Kapitel 3. Viele Verse lang zählte Paulus auf, welche guten Eigenschaften die Gläubigen aufweisen und welche schlechten sie ablegen sollen, und jetzt fasst er alles zusammen, indem er sagt: Tut alles im Namen des Herrn Jesus! Auch hier redet Paulus wieder von „Herr“. Und dann kommt ab Vers 18 die sogenannte Haustafel, also die wichtigsten menschlichen Beziehungen: Familie und Arbeit bzw. soziales Umfeld. In all diesen Beziehungen sollen wir im Namen des Herrn handeln. Lies dir diese Verse durch und achte darauf, wie oft Paulus das Wort „Herr“ benutzt. Jede Beziehung ist davon geprägt, dass Jesus unser Herr ist.

Ok, so weit so gut, sagst du vielleicht. Aber wie kann man denn im Namen des Herrn handeln? Um das zu beantworten, schreibt Paulus weiter: „indem ihr Gott dem Vater durch ihn dankt.“ Nur wenn etwas mit Dankbarkeit getan ist, ist es zur Ehre Gottes getan. Wenn wir zwar äußerlich das Richtige tun, aber dabei mürrisch sind und undankbar für alles Gute, das wir von ihm empfangen haben und undankbar, was Jesu Herrschaft angeht, dann ist es im Endeffekt doch falsch. Dann wird Gott nicht geehrt. Gott wird aber geehrt, wenn wir das, was wir tun, mit Dankbarkeit für ihn tun. Vorausgesetzt natürlich, dass es keine Sünde ist. Sünde mit Dankbarkeit für Gott zu tun, ist sowieso paradox. Ich meine jetzt das alltägliche Leben, z.B. die Beziehungen in Familie und in der Schule. Das ist dann alltäglicher Gottesdienst.

Jetzt haben wir eine ganze Menge von Paulus gelernt: Dankbarkeit ist etwas, das wir schon einfach darum haben sollten, weil wir Christen sind. Wir sollen Gott auch dankbar mit Liedern loben und so lernen wir aus Gottes Wort. Und schließlich: Dankbarkeit ist die Grundvoraussetzung für unsere Taten, wenn Gott durch sie geehrt werden will.

Du ahnst es bereits: Einer geht noch!

Dankbarkeit und das Ende der Zeit
Gerade wenn die Haustafel beendet ist, legt Paulus wieder nach. 4,2:

„Seid beharrlich im Gebet und wacht darin mit Danksagung.“

Wenn es um das Wachen geht, wird im Neuen Testament meistens auf Jesu Wiederkunft am Ende der Zeit angespielt. Ich denke, dass das auch hier gemeint ist. Wir Christen sollen, bis es soweit ist, ausdauernd beten, und zwar mit Dankbarkeit. Warum erwähnt er extra, dass wir, was Jesu Wiederkommen angeht, mit Dankbarkeit beten sollen? Ich erinnere wieder an 2,6-7: Dankbarkeit hat doch damit zu tun, dass Jesus der Herr ist. Wenn er sagt, wir sollten mit Dankbarkeit wachen, sagt er damit implizit: „Betet und dankt und seid euch bewusst, dass Jesus der Herr ist.“ Wenn es auch viele Feinde gibt, die gegen Jesus und seine Gemeinde kämpfen und wir uns fragen, warum Gott nicht eingreift, oder wenn wir uns fragen, wann Jesus endlich kommt – dann müssen wir dankend festhalten: Jesus ist der Herr. Er wird seine Feinde dann endgültig vernichten und er wird auch wiederkommen. Er vergisst nicht die Zeit oder ist zu schwach, um wirklich eine neue, vollkommene Welt zu schaffen. Nein, er ist der Herr und das heißt, dass alles sehr gut werden wird und er es unter Kontrolle hat. Wir sollen also immer weiter beten und Gott danken, dass er am Ende alles gut machen wird durch den Herrn Jesus Christus.

So, das war nun wirklich der letzte Vers zum Thema „Danken“ im Kolosserbrief, aber wie wir gesehen haben, ist das Thema wichtiger als wir uns oft bewusst sind. Darum ist es gut, weiterhin das Wort Gottes zu studieren, denn es gibt noch viel zu entdecken. Die Bibel ist ein Brunnen, der nie ausgeschöpft werden kann. Also, los geht’s!

Menschen

Über den Autor

Simon Schuster ist gebürtiger Sachse. Er ist 23 Jahre alt und studiert im vierten Jahr Theologie am Reformatorisch-Theologischen Predigerseminar in Hannover. Sein Schwerpunkt liegt im Fachbereich "Biblische Theologie", vor allem im Neuen Testament. In seiner Freizeit liest er gern und spielt Gitarre und Klavier. Er liebt Soundtracks.
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