The Walking Dead: Zombies und Reformation

31. Oktober 2013 3 Antworten von Lars

In meinem Freundeskreis wurde ich oft mit drei Begriffen in Verbindung gebracht: Apologetik, Postmoderne und…Zombies. Nun ja, von letzterem habe ich versucht mich zu distanzieren, wobei ein Artikel über Zombies dem nicht gerade förderlich ist. So viel zu meiner (Dys-) Funktionalität.

Heute, am 31.10, dem Gedenktag der Reformation, wird im Fernsehen die 3.Staffel von The Walking Dead ausgestrahlt. In dieser Serie versucht eine Gruppe Überlebender durch die anhaltende Zombieapokalypse hindurch zu kommen – und das möglichst ohne Bisswunden. Den Fernsehproduzenten war es sicher nicht bewusst, aber der Termin für den Staffelbeginn passt vorzüglich! Zombies und Reformation haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint.

Der Zombie ist eine starke kulturelle Metapher für Sündhaftigkeit. Er ist nicht geistlich; er ist fleischlich (und frisst Fleisch). Er hat ein konsequentes Verlangen (Fleisch) und lebt in totaler Übereinstimmung mit seinem Wesen. Genau wie der Sünder. Die Macher von The Walking Dead haben das schön dargestellt, was sie für mich zu orthodoxen 1-Punkte-Calvinisten macht. Es ist ihnen gelungen Totale Verderbtheit gleich zweimal eindrucksvoll zu inszenieren: Die totale Verderbtheit des Zombies und die totale Verderbtheit des Menschen.

Nur: Der Zombie ist eine Fiktion, der Mensch nicht. Der Mensch ist der wahre Zombie; ein wahrhaftiger Zombie in seiner Verderbtheit. Zombies sind eine kulturelle Metapher, weil sie des Menschen Bosheit auf der Leinwand spiegeln. Die wandelnden Toten sind ein schreckliches Symbol für eine noch schrecklichere Realität – die Realität der Sünde.

Ein Unterschied zwischen beiden besteht darin, dass der Mensch, im Gegensatz zum nicht-existenten Zombie, von Gott für seine Sünde zur Verantwortung gezogen wird. Und noch etwas: In The Walking Dead gibt es zunächst keine Heilung vom Zombie-Sein. In der Realität schon: Geistlich tote Zombiesünder können erlöst werden! Allein durch den Glauben an Jesus Christus wird der Sünder von Gott gerecht gesprochen. Dieser Glaube kommt durch das Wort Gottes, welches das Mittel ist, das der Geist Gottes gebraucht, um dem Sünder das Sühneopfer Jesu Christi zuzurechnen. Sobald dies geschieht, wird der Zombie-Mensch zum Christen-Mensch und tritt damit in den lebenslangen Prozess der Entzombieisierung.

Luther nannte das Buße.

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Über den Autor

Lars Reeh (Jg. 1986) ist Lehrer und geht in die BERG in Gießen. Er interessiert sich für die Überschneidungsfelder von Theologie und Kultur (besonders Apologetik und Pädagogik).

Kommentare zu “The Walking Dead: Zombies und Reformation”

  1. Heiko says:

    Gute Einordnung! Ich bin immer wieder überrascht, wie du normalen Dingen die Veranschaulichung einer geistlichen Lehre abgewinnen kannst. Ich kenne mich mit Zombies zwar nicht so aus (…) aber die Figur ist in ihrer Zombiehaftigkeit von der Theologie her betrachtet genau richtig eingeordnet. Gute Arbeit!

  2. Lary says:

    Man, auf diese Verbindung wäre ich nie gekommen. Sehr guter Text Lars. Ich glaube aber nicht das der Termin für die Ausstrahlung zufällig war. Immerhin wird da ja auch (leider) Halloween gefeiert.

Pingbacks & Trackbacks zu “The Walking Dead: Zombies und Reformation”

  1. Der Zombie als Metapher für die Sündhaftigkeit | Hanniel bloggt. says:

    […] Nein, es gibt nichts zu Halloween, dafür von Zombies. Lars Reeh hat sich mit den Parallelen zum Menschsein beschäftigt: […]

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