Die Bibel verstehen – Teil III

26. Dezember 2013 0 Antworten von Simon

In Teil 2 haben wir überlegt, wie das simple Lesen der Bibel und die aufmerksame Einbeziehung der vorliegenden Textgattung dazu beitragen, den Inhalt des Buchs der Bücher immer besser zu verstehen. In diesem abschließenden Beitrag geht es um die Frage, wieso eine sorgfältige Beachtung des Kontexts und der Fokus auf Jesus so wichtig sind.

4. Durch Beachtung des Kontexts

Wörter sind oftmals mehrdeutig. Wenn ich den Begriff „Bienenstich“ einfach so in den Raum schmeiße, wird es euch schwerfallen, daraus die richtige Schlussfolgerung zu ziehen: Geht es mir gut, weil ich gerade ein leckeres Stück Kuchen zu mir genommen habe oder leide ich unter Schmerzen, weil mir beim Barfußlaufen im Freibad eine Biene in die Fußsohle gestochen hat? Wenn ich von der Bank rede, die sich neben unserem Haus befindet; meine ich damit eine Parkbank oder ein Geldinstitut? Und die kaputte Birne – nur ein verschimmeltes Obststück oder doch eine durchgebrannte Glühlampe? Die Liste ließe sich endlos fortsetzen…

Ihr seht: Sprache ist nicht unbedingt eindeutig. Man kann mit ein und demselben Wort verschiedene Dinge bezeichnen. Und andersrum ist es möglich für eine Sache unterschiedlichste Bezeichnungen zu finden. Aus diesem Grund gelingt Kommunikation immer nur in ihrem Kontext. Wenn wir wirklich verstehen wollen, was der andere meint, müssen wir den Zusammenhang beachten.

Was für ein einzelnes Wort gilt, gilt dabei auch für einen ganzen Satz: Wenn ich sage: „Ich finde meine Mutter nicht“, kann ich damit entweder meine leibliche Mutter meinen oder aber die Schraubenmutter, die ich brauche, um das Hinterrad an meinem Fahrrad zu befestigen. Deshalb müssen die Sätze, die ich noch in diesem Zusammenhang sage, deutlich machen, worum es mir geht. Prinzipiell ist es nämlich so, dass wir Menschen immer eine Sache ausdrücken wollen, nicht zwei oder noch mehrere. Und diese eine Sache gilt es zu verstehen.

Lasst mich ein einfaches Beispiel aus der Bibel geben. Jesus sagt in Markus 9,7 zu den Schriftgelehrten: „Wie fein hebt ihr Gottes Gebot auf, damit ihr eure Satzungen aufrichtet!“ Was meint er damit? Das Wörtchen „fein“ hat eigentlich eine positive Bedeutung. In den meisten Fällen wird man es verwenden, um eine Sache erfreut herauszuheben. Man könnte hier also zu dem Fehlschluss kommen, dass Jesus die Pharisäer lobt, dass er es gut findet, dass sie Gottes Gebot aufheben und ihre eigenen Satzungen aufrichten. Aber natürlich ist genau das Gegenteil der Fall. Seine Worte sind voller Ironie und der Zusammenhang macht das ganz deutlich! Für die meisten wird dieses Beispiel selbstverständlich sein, aber es zeigt doch recht eindrücklich, wie wichtig der Kontext ist.

Jedoch muss man nicht nur den unmittelbaren, sondern auch den weiten Kontext beachten. Also z.B. den Zusammenhang des ganzen Buches und sogar der ganzen Bibel. Und da wird es oftmals schon schwieriger. Gucken wir uns Kol 1,19-20 an:

Denn es gefiel [Gott], in ihm alle Fülle wohnen zu lassen und durch ihn alles mit sich selbst zu versöhnen […]

Was bedeutet dieses „alles“ hier? Lehrt Paulus die Allversöhnungslehre, also dass alle Menschen gerettet werden? Manche Bibelausleger haben diesen Vers so interpretiert. Aber sie haben dabei ein wichtiges Prinzip vergessen: Die Schrift legt die Schrift aus. D.h. dass wir schwierige, unklare Stellen durch leichter verständliche Stellen auslegen sollten. Und viele andere Stellen machen deutlich, dass nicht alle Menschen gerettet werden. Jesus selber sagt, dass der Weg breit ist, der ins Verderben führt (Mt 7,13-14). Paulus kann also nicht „alles“ in diesem Sinne meinen.

Wir sehen also, dass wir, wenn wir einem Text gerecht werden wollen, unter Zuhilfenahme des ganzen Kontexts verstehen müssen, was die tatsächliche Aussage des Autors ist.

5. Durch den Fokus auf Jesus

Und damit zu einem weiteren wichtigen Punkt: Wenn wir die ganze Bibel so lesen wollen, wie wir sie lesen sollten und wie es auch die Apostel getan haben, dann müssen wir alles in ihr in Verbindung mit Jesus Christus bringen.

Er selber sagt in Joh 5,39 zu den Pharisäern: Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir Zeugnis geben.

Das ist phänomenal. Jesus redet hier vom Alten Testament und er sagt: „Ihr tut gut daran, im Alten Testament nachzuforschen, wie man das ewige Leben erhalten kann. Aber eure Methode dabei ist vollkommen falsch, weil ihr verkennt, dass das Alte Testament von mir zeugt, von mir berichtet, prophetisch auf mich hinweist.“ Und in Lukas 24,44 erklärt er seinen Jüngern nach der Auferstehung:

Das sind die Worte, die ich zu euch geredet habe, als ich noch bei euch war, dass alles erfüllt werden muss, was im Gesetz Moses und in den Propheten und den Psalmen von mir geschrieben steht.

Die Hebräische Bibel wird in drei Teile unterteilt:

  • Der Pentateuch, die fünf Bücher Mose oder auch das Gesetz Moses,
  • die Propheten, zu denen auch die Geschichtsbücher gehören
  • und die poetischen Bücher, von denen die Psalmen den Großteil ausmachen und deshalb von Jesus stellvertretend dafür genannt werden.

Und Jesus sagt nun: In allen drei Teilen – sprich im ganzen Alten Testament – stehen Dinge, die auf mich hinweisen, die in mir ihre Erfüllung finden. Deshalb müssen wir, wenn wir die Bibel verstehen wollen, Jesus in ihr finden. Und zwar überall. Du kannst immer fragen: Was hat dieser Text mit Jesus zu tun? Mit seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung? Und glaub mir, es wird dir ganz neu die Augen öffnen für die Tiefe von Gottes Wort.

Die Serie „Die Bibel verstehen“ ist mit diesem Artikel bei ihrem Ende angelangt. Aber vielleicht interessiert dich ja die Serie „Die Bibel lehren“?! Zum ersten Teil kommst du hier.

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Über den Autor

Simon Mayer, Jahrgang 1990, hat Elektrotechnik studiert und zwei Jahre als Ingenieur bei einem großen Bayrischen Automobilhersteller gearbeitet. Inzwischen absolviert er ein Praktikum in der Freien Evangelischen Gemeinde München-Mitte und studiert nebenher Theologie am Martin Bucer Seminar. Seit 2010 ist er verheiratet mit Simone. Wenn er nicht gerade mit redaktionellen Tätigkeiten für den Josiablog beschäftigt ist, eine Predigt vorbereiten darf oder versucht den riesigen Berg an Lektüre für sein Studium zu bewältigen, schaut er gerne mal einen Krimi mit seiner Frau, geht Joggen oder macht Musik.
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