Die Bibel lehren – Teil III

19. Februar 2014 0 Antworten von Simon

Letzte Woche haben wir uns mit zwei wichtigen Prinzipien beschäftigt: Man sollte beim Lehren der Bibel den Kerngedanken des Textabschnittes zum Hauptpunkt des eigenen Themas machen und diesen Kerngedanken anhand einer zielführenden Struktur, die sich am besten ebenfalls am Aufbau des Textes orientiert, dem Zuhörer vermitteln. Im heutigen dritten Teil dieser Serie folgen Punkt vier und fünf: Die Nachvollziehbarkeit für die Hörerschaft und der Verweis auf Jesus.

4. Für den Zuhörer nachvollziehbar

Ich habe schon in Teil I darauf hingewiesen, dass die Autorität immer im Text selber liegt und nicht beim Prediger, weshalb dieser seinen Zuhörern auch niemals das Gefühl geben sollte, dass sie auf ihn angewiesen sind, um die Bibel zu verstehen. Im Gegenteil: Der beste Bibellehrer ist derjenige, der seinen Schülern nicht nur Gottes Wort erklärt, sondern ihnen dazu verhilft, es auch ohne Hilfe von außen immer besser zu verstehen. Einer der sichersten Wege dahin ist, den Leuten genau aufzuzeigen, wie man vom Bibeltext zu bestimmten Erkenntnissen und Einsichten kommt. Indem man einen Kindergottesdienst, eine Jugendandacht etc. so gestaltet, dass die Zuhörer einfach nachvollziehen können, wie man zu gewissen Schlussfolgerungen kommt, liefert man ihnen ein Modell, das ihnen bei ihrem eigenen Bibelstudium hilft.

Der beste Bibellehrer ist derjenige, der seinen Schülern nicht nur Gottes Wort erklärt, sondern ihnen dazu verhilft, es auch ohne Hilfe von außen immer besser zu verstehen.

Deshalb muss alles, was man sagt, direkt aus dem Text kommen. Es sollte für die Leute absolut logisch nachvollziehbar sein. Ich glaube, dass genau hier sehr viele Andachten, Predigten etc. scheitern. Und das, obwohl die Leute eine gute Absicht haben. Da wird begeistert ein Text aus der Bibel vorgelesen – nehmen wir mal die Waffenrüstung aus Epheser 6 – aber dann wird die Bibel zugeklappt und es folgen einige Ausführungen, was für Auswirkungen dieser Text in unserem Leben haben sollte. Und diese Ausführungen sind oftmals sogar richtig gut und man kann sie alle unterschreiben. Das Problem dabei ist jedoch, dass nicht aufgezeigt wird, wie diese Gedanken im Zusammenhang stehen mit dem Text, wie sie letztendlich im Text enthalten sind. Und damit macht man den Zuhörer vom Verkündiger abhängig und nicht vom Wort Gottes.

Letztendlich liegt das oft auch daran, dass derjenige, der sich vorbereitet hat, den Text drei-, vier-, fünfmal gelesen und tiefgehend studiert hat, um seine Predigt oder das Jugendthema vorzubereiten. Und für ihn ist nun absolut klar, was der Text sagt. Im großen Kreis liest er ihn deshalb nur einmal kurz vor, klappt ihn wieder zu und sagt:

Also, wie ihr ja gerade gesehen habt, fordert uns Paulus hier auf, dass wir als Christi Nachfolger dieses und jenes tun sollen…

Das Problem dabei: Nein, die Leute haben es gar nicht gesehen. Ihnen wurden gerade zehn Verse eines Mannes vor die Füße geknallt, der manchmal die längsten Sätze formuliert, die ich jemals gelesen hab. Und sie können damit überhaupt nichts anfangen, sie haben keinen blassen Schimmer, was Paulus eigentlich sagt.

Diese Situation mag nun freilich übertrieben sein und – Gott sei Dank – in solch einem Ausmaß hoffentlich nur selten vorkommen. Aber ich hoffe, das Prinzip wird klar: Es ist wichtig, den Leuten ganz konkret zu zeigen, woher man seine Gedanken nimmt.

Wenn man z.B. gemeinsam den Prolog des Johannesevangeliums studiert und darauf verweisen will, wie Johannes hier proklamiert, dass in Christus Gott selbst Mensch wurde, könnte man folgendermaßen vorgehen:

Schaut euch mal mit mir gemeinsam Johannes 1,1 an. Dort heißt es „das Wort war Gott“. Was auch immer also dieses Wort ist, Johannes macht deutlich: Es ist Gott! Und dann seht mal hier in Johannes 1,14: Dort heißt es „das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns“. Er sagt also – was oder wer auch immer dieses Wort ist – es wurde Mensch. Wenn wir Vers 1 und Vers 14 verbinden sehen wir also: Das Wort, das Gott war, wurde Fleisch. Gott selbst wurde also Mensch! Ist das für euch nachvollziehbar?

So sollten wir die Leute unterrichten, mit der Bibel in der Hand. Sie müssen mitlesen und die Dinge selber sehen und verstehen! Jeder Bibellehrer sollte sich auch seiner Vorbildfunktion bewusst sein. Die Art und Weise, wie er die Bibel auslegt, wird Auswirkungen auf seine Zuhörer haben. Die Leute werden ihm nacheifern. Deshalb muss er ihnen aufzeigen, wie er an dem Text arbeitet, wie er die Gedanken des Textes entfaltet. Ansonsten bleibt das Bibelstudium im schlimmsten Fall für manch Einen bloße Spekulation.

5. Auf Jesus verweisend

Getreu der Prinzipien zwei bis vier haben wir nun also den Kerngedanken des Abschnittes zu unserem Kerngedanken gemacht, der Andacht eine zielführende Struktur verliehen und alle unsere Schlussfolgerungen nachvollziehbar anhand des Textes belegt. Man sollte meinen, nun sei alles bestens. Dem ist allerdings nicht so, sofern wir die wichtigste Sache überhaupt vergessen haben: Auf Jesus hinzuweisen.

Warum aber ist das so schlimm? Es gibt doch genügend Bibeltexte, in denen der Name Jesus noch nicht einmal auftaucht? Ganz einfach: Weil er die Hauptperson dieses Buches ist, um die sich alles dreht! Wie auch schon im dritten Teil meiner Serie zum Thema „Die Bibel verstehen“ angeführt, macht das Jesus selber in Johannes 5,39 gegenüber den Pharisäern ganz deutlich:

Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir Zeugnis geben.

Jesus redet hier also vom Alten Testament und sagt zu den Leuten: Ihr tut gut daran, im Alten Testament nachzuforschen, wie man das ewige Leben erhalten kann. Aber eure Methode dabei ist vollkommen falsch, weil ihr verkennt, dass das Alte Testament von mir zeugt, von mir berichtet, prophetisch auf mich hinweist.

Und natürlich ist das nicht nur im Alten Testament der Fall, sondern auch im ganzen Neuen Testament. Allerdings ist es hier für uns oft klarer. Wie auch immer – jedenfalls müssen wir, wenn wir die Bibel richtig lehren wollen, immer auf Jesus verweisen. Egal, ob wir nun über das vierte Buch Mose, den 69. Psalm, das dritte Klagelied Jeremias oder den zweiten Petrusbrief reden. Als treue Verkündiger von Gottes Wort sollten wir uns das gleiche Ziel setzen, das Paulus im Sinn hatte, als er nach Korinth kam: Er war „entschlossen, unter ihnen [den Korinthern] nichts anderes zu kennen außer Jesus Christus und ihn als den Gekreuzigten.“ (1. Kor 2,2)

Freunde, wenn wir die Bibel mit Vollmacht und der verändernden Kraft Gottes lehren wollen, dann müssen wir das Evangelium, dann müssen wir Christus predigen und vor allen Dingen über sein Werk am Kreuz von Golgatha reden.

Wenn wir die Bibel mit Vollmacht und der verändernden Kraft Gottes lehren wollen, dann müssen wir das Evangelium, dann müssen wir Christus predigen und vor allen Dingen über sein Werk am Kreuz von Golgatha reden.

Wenn du im Kindergottesdienst über die Arche Noah sprichst, dann rede davon, wie Jesus uns durch das Gericht hindurch gerettet hat. Wenn du im Hauskreis über Josua und den Einzug des Volkes Israel ins gelobte Land berichtest, dann solltest du über Jesus reden, der uns als sein Volk in das himmlische, ewige Reich hineingeführt hat. Wenn du in der Bibelstunde über den Propheten Jeremia sprichst, der davon berichtet, wie Gott einst mit seinem Volk einen neuen Bund eingehen wird und ihnen ein neues Herz schenkt, damit sie ihn alle erkennen werden, dann rede von Jesus, der genau dies durch seinen Tod auf Golgatha ermöglicht hat! Und wenn du über die Offenbarung predigst, dann zeig auf, wie sich dort alles um das Lamm dreht, das beim Thron Gottes steht und würdig ist, Macht, Ehre und Ruhm von Tausenden zu nehmen, weil es sich hat schlachten lassen, um diese Menschen mit seinem teuren Blut zu erkaufen.

Alles andere ist nichtig.

Im nächsten und abschließenden Teil, der kommenden Mittwoch folgt, geht es darum, dass wir unsere Botschaft ins Leben der Zuhörer hinein sprechen und mit Überzeugung verkünden sollten.

Bibel/Nachfolge

Über den Autor

Simon Mayer, Jahrgang 1990, hat Elektrotechnik studiert und zwei Jahre als Ingenieur bei einem großen Bayrischen Automobilhersteller gearbeitet. Inzwischen absolviert er ein Praktikum in der Freien Evangelischen Gemeinde München-Mitte und studiert nebenher Theologie am Martin Bucer Seminar. Seit 2010 ist er verheiratet mit Simone. Wenn er nicht gerade mit redaktionellen Tätigkeiten für den Josiablog beschäftigt ist, eine Predigt vorbereiten darf oder versucht den riesigen Berg an Lektüre für sein Studium zu bewältigen, schaut er gerne mal einen Krimi mit seiner Frau, geht Joggen oder macht Musik.
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