„Was soll ich bloß anziehen?“

19. Mai 2014 11 Antworten von Rebekka & Simon

Mann kennt das. Eine Frau steht vor dem prall gefüllten Kleiderschrank und ist einer enormen Stress-Situation ausgesetzt. Es geht um eine Entscheidung. Es ist eine Entscheidung von außerordentlicher Tragweite, denn sie entscheidet darüber, ob die Frau sich nun den ganzen Tag wohl fühlen kann oder den ganzen Tag denken muss: „Hätte ich doch etwas anderes angezogen! Jetzt ist es zu spät!“

Hier soll es aber weniger um das perfekt sitzende und passende Outfit gehen, sondern zuerst um einen anderen Aspekt, den man sich bei der Wahl seines Outfits vor Augen führen sollte.

Attraktiv auf den ersten Blick

Es soll hier besonders um Wahrnehmung gehen. Psychologen und Werbefachmänner kennen den Effekt sehr gut. Er wird gerne und wiederholt eingesetzt, um bestimmte Produkte an den Mann zu bringen. Dabei kann es sich um ein bestimmtes Eis, ein Shampoo oder um ein Auto handeln. Und das Ganze funktioniert folgendermaßen: Man schafft durch entsprechende Platzierung eine gedankliche Verbindung zwischen dem beworbenen Produkt und einer attraktiven, oft aufreizend gekleideten Dame (sofern sie nicht ganz entkleidet ist). Das Rezept nennt sich „Sex Sells“ und basiert darauf, dass die männliche Wahrnehmung in vielen Fällen so gestrickt ist, dass der Blick besonders an dem Anblick einer attraktiven und meistens wenig bekleideten Frau hängen bleibt – selbst wenn dieser Anblick vom Mann nicht gesucht oder beabsichtig wurde.

Wie intensiv das auf viele Männer wirken kann, ist vielen Frauen gar nicht bewusst. Selbst wenn ein Mann nur einen kurzen Blick erhascht hat, kann das unheimlich viele Dinge in ihm auslösen. In ihrem Buch „Männer sind Frauensache – Was Frauen über Männer wissen sollten“ widmet die christliche Autorin Shaunti Feldhahn ein ganzes Kapitel ihrer durch Umfragen klar untermauerten These: „Selbst glücklich verheiratete Männer fühlen sich von Bildern anderer Frauen angezogen“. Sie beschreibt dort, dass es für sie einem Schock gleichkam, von Männern, die sie als vorbildlich und vertrauensvoll einstufte, zu hören, wie sehr es ihnen zeitweise zu schaffen mache, wenn ihr Blick an einer attraktiven Frau hängen bleibt.

Visuelle Erregbarkeit

Shaunti Feldhahn fasst das, was bei Männern geschieht, in zwei Regungen zusammen. Die folgenden Aussagen sind als die Regel zu verstehen. Es trifft auf den Großteil der Männer zu. Zu diesen Regungen sei auch gesagt, dass sie nicht ausschließlich Männer betreffen, sondern dass es durchaus auch Frauen gibt, bei denen dies in ähnlicher Weise auftritt.

Regung Nr. 1:
„Ein Mann kann nicht nicht hinschauen wollen“.

Damit ist gemeint, dass Männern durchaus gefällt, was sie sehen und dass es sie in einem gewissen Sinn erregt. Im Buch wird ein Ehemann zitiert, zu dem die Autorin persönlich vollstes Vertrauen hegt. Er sagt: „Wenn ich in einem Laden eine attraktive Frau sehe, dann schließe ich die Augen oder schaue weg, bis sie außer Sichtweite ist. Trotzdem bleibe ich mir ihrer Anwesenheit bewusst, und ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich mich schon mehr als einmal dabei erwischt habe, wie ich in der stillen Hoffnung durch den Supermarkt ging, ihr noch einmal zu begegnen“. Die Autorin schreibt, sie wünschte, dies sei eine Ausnahme, doch alle Männer, denen sie das Zitat vorgelegt habe, hätten sich mit diesem Zitat identifizieren können.

Regung Nr. 2:
„Ein Mann hat einen Karteikasten voller sinnlicher Bilder in seinem Gedächtnis gespeichert“.

Darunter ist zu verstehen, dass sich im Kopf eines Mannes ein Arsenal an sexuell geladenen Bildern befindet. Diese Bilder können einem Mann plötzlich in den Kopf schießen. Sie können sich durchaus auch unbeabsichtigt ins Gedächtnis eingebrannt haben. Vielleicht handelt es sich dabei um eine Erinnerung an eine schöne Zweisamkeit mit seiner Ehefrau, aber vielleicht auch um eine Erinnerung an ein Cover des Playboys, den sich der Mann vor einem Jahr angesehen hat. Solche Bilder tauchen teils wie aus dem Nichts wieder auf, obwohl der betreffende Mann das vielleicht gar nicht beabsichtigt.

Shaunti Feldhahn macht darauf aufmerksam: Es ist wichtig, hierbei drei Punkte zu berücksichtigen:

  1. Sinnliche Bilder und Gedanken kommen einem Mann unwillkürlich: Er sucht diese Gedanken in der Regel nicht und kann auch nichts gegen ein Aufkommen solcher Gedanken tun.
  2. Jeder Mann hat eine natürliche Neigung, die Empfindungen, die von solchen Gedanken oder Bildern ausgehen, zu genießen: Gott hat den Mann so geschaffen; Sexualität funktioniert über Erregung (Erregung => Genuss) und zwar so, dass die Erregung zwar von der eigenen Frau ausgelöst werden kann, aber nicht ausschließlich von ihr. So funktioniert eben das menschliche Gehirn.
  3. Ein Mann ist in der Lage, sich zu entscheiden, ob er diesen Bildern Raum geben oder sie zurückweisen will: Ein (christlicher) Mann ist natürlich nicht einfach nur ein Opfer derartiger Bilder und Anblicke, sondern hat die Verantwortung, diesen Bildern keinen Raum zu geben, wenn damit Sünde verbunden ist. Man muss dabei durchaus „Versuchung“ von „Sünde“ unterscheiden (selbst Jesus wurde versucht, er sündigte aber nicht). Ein Mann kann jedoch sehr schnell allein in seinen Gedanken die Ehe brechen, indem er bewusst eine Frau begehrt und sich z.B. deutlich ausmalt, mit ihr zu schlafen. Hier hat die Versuchung ihn zur Sünde verführt. Siehe Matthäus 5,27-32).

Es ist sehr wichtig, um diese Mechanismen zu wissen. Diese Mechanismen gibt es und man muss mit ihnen umgehen lernen, besonders in einer Gesellschaft, die derartig sexualisiert ist wie die unsrige (schaut man ins Internet, in die TV-Werbung, ins TV-Programm, auch schon weit vor 22 Uhr). Ich will noch einmal betonen, dass Männer dennoch nicht einfach nur Opfer ihrer Umgebung sind, sondern grundsätzlich die Verantwortung für ihren Umgang mit ihrer Sexualität haben. Gleichzeitig schreibt Shaunti Feldhahn: „Wir Frauen sind an den Problemen nicht ganz unschuldig“

„Sie denkt, dass er sie hoffentlich süß finden wird“

Ein Vater fragte Shaunti Feldhahn, warum seine sonst so umsichtige erwachsene Tochter sich so figurbetont kleide, wenn sie mit einem bestimmten jungen Mann ausgehe. Er vermutete, „bestimmt weiß sie doch, was sie da tut“.

Die Antwort der Autorin lautete: „Ja und nein. Sie weiß, dass sie mit diesen Klamotten vorteilhaft aussieht, aber sie ist sich nicht im Klaren darüber, was im Kopf dieses jungen Mannes vor sich geht. Sie denkt einfach nur, dass er sie hoffentlich süß finden wird.“

Die Antwort jenes Vaters: „Mit süß hat das aber nicht viel zu tun. Er wird sie mit den Augen ausziehen und nur noch an das Eine denken“.

Die Autorin meint: Es ist so, dass viele Frauen sich gar nicht vorstellen können, was sie bei Männern auslösen. Sie sehnen sich nach männlicher Zuwendung, merken aber gar nicht, dass sie eine Art von Aufmerksamkeit erregen, die mit Liebe nichts zu tun hat. Eine Frau wird es aber kaum als schmeichelhaft empfinden, „dass sie durch ein knappes Oberteil zu einem Objekt nackter Begierde wird“.

„Was soll ich bloß anziehen?“

Daher stellt sich angesichts der obigen Gedanken durchaus die Frage, welche Kleidung nun angemessen ist. Wie sieht das praktisch aus? In der Bibel werden uns einige Prinzipien gegeben. Ein Prinzip ist, sich „sittsam“ bzw. „anständig“ zu kleiden. Diese Formulierungen wiederholen sich immer wieder durch die ganze Bibel. In 1. Petrus 3,2 ist die Rede von einem „keuschen“ oder „reinen“ Verhalten, das eine Frau an den Tag legen sollte. Paulus schreibt in 1. Timotheus 2,19

„Ebenso will ich, dass auch die Frauen sich in bescheidener Haltung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung, sondern mit dem, was Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen, durch gute Werke.“

Man kann aus dieser Passage verschiedene Aspekte herausarbeiten:

  • Bescheidene Haltung: Hier ist eine Haltung gemeint, die nicht aufreizend ist. Es ist an eine Bescheidenheit gedacht, die von innen kommt, aber sich auch nach außen hin in einer angemessenen Zurückhaltung zeigt. Wenn jemand zurückhaltend ist, wird er nicht protzen, auch gerade nicht mit seinem schönen Körper.
  • Mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit: Das setzt eine Kleidung voraus, die diesem sittsamen, schamhaften Verhalten zuträglich ist. Man bzw. Frau soll sich so kleiden, dass sie nicht ihren eigenen Körper zur Schau stellt. Ein negatives Extrem-Beispiel wäre z.B. die „Berufskleidung“ von Prostituierten. Es gibt von der Bibel her aber keine detailliert festgesetzten Angaben, wie Kleidung nun auszusehen hat. Es scheint, dass es da sicherlich kulturelle Unterschiede gibt und unter „Anständigkeit“ manchmal unterschiedliche Sachen verstanden werden (Man denke an Länder, die stark durch den Islam geprägt sind und Ganzkörperverhüllungen). Es lässt sich aber sehr deutlich ableiten, dass z.B. ein Minirock, ein tiefer Ausschnitt oder sehr körperbetonte Kleidung keine eiserne Bastion der Schamhaftigkeit darstellen.
  • Nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung: Unweigerlich kommen Städte wie Paris oder Mailand in den Sinn, die für spektakuläre Mode stehen. Genau das stellt ein Negativbeispiel dar. Das Denken sollte sich hieran nicht ausrichten. Es geht nicht darum, dass eine Frau sich nicht einmal eine hübsche Frisur machen kann, aber wenn es zu einem Schaulaufen der Frisur oder des Outfits kommt, haben sich Prioritäten definitiv verschoben. Ich habe einmal von einer Gemeinde gehört, in der die Frauen Hüte zur Kopfbedeckung trugen. Es kam dann jeden Sonntag im Gottesdienst zu einer Art unausgesprochenem Wettbewerb: „Wer trägt den schönsten Hut?“. Es scheint aber nichts gegen vernünftige wie elegante Kleidung zu sprechen, wenn diese sich nicht offensichtlich aufdrängt oder dazu gedacht ist, sich besonders von anderen abzuheben.
  • Sondern durch Gute Werke: Im Mittelpunkt sollte ein gutes, Gott dienendes Verhalten stehen, das durch ein Aussehen unterstrichen wird, das nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellt, sondern wünscht, dass Gott verherrlicht wird. Die Bibel setzt ganz andere Kriterien als sie uns z.B. die Modewelt setzt. Sexy zu sein, ist kein biblisches Gebot. Gottes Gebote sind Sittsamkeit, Genügsamkeit und ein Handeln, das aus der Liebe zu Gott und zum Nächsten motiviert ist.

Paul Washer bringt es im Wesentlichen auf den Punkt. In einer Predigt sagt er:

Meine Frau unterrichtet viele junge Mädchen darüber, gottesfürchtig zu leben. Sie hat eine große Regel. Die passt sowohl für Mädchen und für Jungs. Sie sagt: Wenn deine Kleidung einen Rahmen für dein Gesicht darstellt, von welchem die Herrlichkeit Gottes her scheinen sollte, dann ist deine Kleidung gottgemäß. Aber, wenn deine Kleidung einen Rahmen für deinen Körper ist, damit du deinen Körper darstellen kannst, dann ist das unmoralisch und sündig und gefährlich.

Mit deinem Körper ist nichts falsch. Es gibt nur ein Problem. Dein Körper ist NICHT FÜR ALLE Menschen gedacht. Ich gehöre zu einer einzigen Person. Zu meiner Frau. Und meine Frau gehört zu mir. Meine Frau soll schön für mich sein. Sie soll nicht für andere Männer schön sein. Du sagst vielleicht: „Aber ich bin doch gar nicht verheiratet“. Du wirst eines Tages wahrscheinlich heiraten. Junge Dame, dein Körper ist nicht für einen fremden Mann gedacht und kein fremder Mann sollte viel davon sehen. Dein Körper gehört einem einzigen Mann, dem Mann, den du heiraten wirst. Und ihr jungen Männer, mit all euren Muskeln: Euer Körper ist nicht für irgendein fremdes Mädchen da, noch sollten andere Mädchen ihn genau betrachten. Sondern er ist für eine einzige Frau bestimmt und du solltest deinen Körper vor allen anderen verbergen außer vor ihr.

Ein Christ darf sehr elegant sein, er darf sehr hübsch sein, ein Christ braucht sich nicht notwendigerweise wie ein Puritaner aus dem 15. Jahrhundert kleiden, aber der Christ sollte sittsam sein; hübsch, aber nicht sinnlich und unmoralisch.

Es sei am Ende noch auf ein kurzes Video von Paul Washer verwiesen, wo es auch um die Frage geht, welche Kleidung für Frauen angemessen ist: https://www.youtube.com/watch?v=AOg3xCqsIeU


Quelle: Shaunti Feldhahn: „Männer sind Frauensache – Was Frauen über Männer wissen sollten“, Gerth-Medien, 8. Auflage, Kapitel 6 „Der visuelle Karteikasten im Kopf“

Bibel/Nachfolge

Über den Autor

Rebekka und Simon Arnold sind beste Freunde und seit Anfang 2013 verheiratet. Sie besuchen die Christengemeinde Ulm und freuen sich, wenn sie gemeinsam Gott dienen können. Simon ist 1986 geboren, Rebekka 1990.

Kommentare zu “„Was soll ich bloß anziehen?“”

  1. Heiko says:

    Hammer Artikel!

  2. Ella says:

    Danke, für diesen Artikel.

  3. Tyrion says:

    Wie siehts aus mit der Benutzung öffentlicher Badeanstalten? Demnach wäre es für Christen verboten.

    • Simon says:

      Hallo Tyrion

      Ich sehe keine Bibelstelle, die den Besuch öffentlicher Badeanstalten verbietet. Ich sehe aber das biblische Gebot von Reinheit im sexuellen Bereich. Das Ziel dieses Artikels war, dass man durchaus darüber nachdenkt,:Wie sieht das dann praktisch aus? Ich arbeite im Pflegebereich und pflege eben auch Frauen. Ich hab damit kein Problem, aber vielleicht hätte ein anderer damit ein Problem. Das ist in mancher Hinsicht durchaus eine individuelle Sache. Mancher reagiert auf Reize extremer, jemand anderes hat weniger Probleme damit. Also muss ich zwei Aspekte berücksichtigen:

      1. Wie wirken bestimmte Anblicke auf mich?

      2. Wie wirkt mein Anblick auf andere?

      Provoziert wie ich aussehe Sünde? Provoziert das, was ich ansehe Sünde? Manche kommen nicht damit klar, einen PC zu nutzen, der ihnen freien Zugang zum Internet und damit freien Zugang zu Pornographie verschafft. Sie nutzen dann verschiedene Systeme, die sie davor schützen, in Sünde zu fallen, weil sie damit nicht klar kommen. Andere brauchen solchen Schutz nicht. Am besten wäre es, wenn wir wüssten, was gut für uns ist und immer genau das tun wollten, was gut für uns wäre (gut ist, was im Willen Gottes ist). Dann hätten wir keine Probleme mit unserer Lust. So eine Welt existiert aber noch nicht.

      Wir haben in dieser Welt sowohl Verantwortung für uns selbst, als auch in einem gewissen Sinn für andere und in dieser Verantwortung müssen wir als Christen leben und dann konkret Entscheidungen fällen, bei denen wir uns fragen: Was führt dazu, dass Gottes Wille getan wird? (In dem Fall: Wie bewahre ich eine intakte sexuelle Reinheit bzw. wie komme ich dahin?)

      Ich fand folgenden Beitrag nicht schlecht.

      http://unwisesheep.org/2013/11/05/gesehen-sexuelle-reinheit-seminar-ebtc-dr-jim-cecy/

  4. Simone says:

    Ein wichtiger Artikel! Für uns war die Frage einer für Gott wohlgefälligen Kleidung der Anlass etwas praktisch zu tun. Für alle, die auf der Suche nach entsprechender Kleidung sind, möchten wir in unserem Onlineshop eine Hilfestellung anbieten. Wir sind dabei, diesen Shop nach und nach auszubauen. Wir haben auch Badekleidung im Angebot. Ich selbst habe auch einen sittsamen Badeanzug und ich gehe sehr gerne in Seen schwimmen. Wenn wir einen hohen also biblischen Massstab an Kleidung haben und figurbetont, tief ausgeschnitten usw. als nicht ziemend ansehen, dann ist der Freibadbesuch ausgeschlossen. Ist das ein grosses Opfer?

  5. Dorothea says:

    Liebe Rebekka,

    Danke für deine offen Art darüber zu sprechen ich fühle mich sehr angesprochen und beschäftige mich viel mit diesem Thema

  6. Peter says:

    Ein sehr guter Artikel. Der Teil über die „visuelle Erregbarkeit“ ist auf jeden Fall (ich spreche hier als „Mann“) zutreffend!

  7. Alice says:

    Gerade als ich die Lektüre dieses Artikels abgeschlossen hatte, kam mein Mann nach Hause. Der Arme!
    Er durfte sich dann nämlich erstmal anhören, wie ich meiner Wut – nein, noch nicht mal Wut – meiner Fassungslosigkeit Ausdruck verliehen haben.

    Seht, ich verstehe den Grundatz dieser Diskussion, ist auch wertvoll darüber nachzudenken, was ziehe ich an. Aber ich möchte dazu gern ein paar Worte sagen:
    Wofür verherrlicht man Gott?
    Ich glaube nicht, dass es Gott richtig wichtig ist, dass wir ihn erstmal alle richtig schön anhimmeln. Dass er Worship-Lieder braucht, um sich gut zu fühlen.
    Wir singen diese Lieder für uns, als Gebet zu ihm und als Zusage für unsere Leben.
    Also warum verherrlichen wir Gott? Um uns selbst einzureden, dass er da ist und groß ist und gut ist? Oder um die rettende Botschaft damit hinauszutragen, dass wir frei gemacht wurden?
    Ich kenne tatsächlich einige Nichtchristen, da dies auch mein familärer Hintergrund ist. Und nun, was passiert wenn ich sage – nein diese Kleidung darf ich nicht, die v erherrlicht Gott nicht. Ich glaube kaum, dass sie es als „Freiheit“ empfinden würden.
    Nun sind wir an einem heiklen Punkt, denn damit könnte ich ja alle weltlichen Freiheiten leben, damit die Nichtchristen sehen, ah, mit dem Gott geht es voll ab, da hat mian denselben Spaß wie vorher. Auch nicht zielführend.
    Wo kann ich also als Christ die Grenze ziehen? Und zwar, gehen wir ganz tief rein in Materie, und sagen wir, ich wäre Signle und würde zu einem ONS eingeladen. Weltlich gesehen voll okay, vor Gott eher nicht – also was sagt uns hier die Freiheit? Die Freiheit sagt zumindest mir, dass ich auch frei bin nein zu sagen. Die Freiheit sagt nicht – „ich darf nicht, weil eine Regel mir das verbietet“ sondern „ich will nicht, weil es mir nicht gut tun würde“.
    Die Regeln, die Christen oft so schön proklamieren, sind im Grunde eher Zusagen. Zusagen, die dich frei machen sollen. Hey, dir wird es besser gehen, wenn du nicht tötest. Hey dir wird es besser gehen, wenn du nicht lügst. Und es ist für jeden Menschen ein Prozess, in diese Zusagen hineinzuwachsen, kein Dogma, was man erstmal erfüllen muss, um Gott zu gefallen.
    Kehren wir mit diesem Gedanken zurück zur Kleiderfrage. Wie ihr selbst geschrieben habt, ist Jesus versucht worden, hat aber wiederstanden. Wieso hat er der Versuchung wiederstanden? Weil er sich der liebe seines Vater so unglaublich bewusst war, dass er nein sagen konnte.
    Ich glaube nicht, dass wir tatsächlich aufgefordert werden, uns so zu kleiden, dass wir niemanden in Versuchung führen. Ist das nicht auch genau die Argumentation anderer Religionen, die damit sogar eine Ganzkörperverschleierung begründen? Warum sollten wir Christen (oder besser – Christinnen) es nicht auch so halten?
    Wir können die ganze Frage nach der Versuchung auch auf die Spitze treiben – ist dann ein Vergewaltigungsopfer selbst schuld? Es hat den Vergewaltiger dazu verleitet? Ich hoffe, dass ihr das nicht so seht. Ja, es gibt Verführung (und ich als Frau fühle mich da genauso betroffen, wenn ich einen attraktiven Mann sehe). Aber es obligt nicht dem anderen, sich zu verändern, so dass ich nicht mehr anzogen werde. Sondern mir, mich dem zu stellen, was mich von Gott trennt und mich in die Sünde treibt.
    Ich persönlich trage oft kurze Röcke. Und ich besitze auch einen Bikini, den ich gern im öffentlichen Freibad oder am Strand trage. Ich trage beides, weil es mir gefällt, nicht weil ich damit jemanden aufreizen will. Ja, meine Kleidung soll meinen Körper so verpacken, dass ich mich selbst hübsch finde und mich wohlfühle. Denn wenn ich mich wohlfühle, strahle ich eine Aura aus. Eine Aura, dass es mir gut geht. Dass ich mich davon loslösen kann, bestimmten Zielen hinterher zulaufen. Eine Aura, die die Menschen in meinem Umfeld beeinflussen kann.
    Eine Aura, die Gott tatsächlich verherrlich.

Pingbacks & Trackbacks zu “„Was soll ich bloß anziehen?“”

  1. Input: Was soll ich bloss anziehen? | Hanniel bloggt. says:

    […] und Simon Arnold haben auf josiablog einen lesenswerten Artikel “Was soll ich bloss anziehen?” […]

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