Begeistertes Lesen – Teil 3

27. Mai 2015 0 Antworten von Hanniel

50 bis 100 Bücher pro Jahr lesen

Trevin Wax, US-amerikanischer Blogger, liest etwa 100 Bücher im Jahr.[1] Ich könnte mir vorstellen, wie deine Reaktion darauf aussieht. Vielleicht denkst du: „Angeber!“ Richtig erkannt. Wer das Lesen macht, um gelesen zu haben, muss sich erst einmal mit seinem Stolz auseinander setzen. Davon abgesehen gibt es jedoch gute Gründe, sich über lange Zeit eine solide Basis durch regelmäßiges Lesen zu schaffen.

Aber wie kann man dies konkret erreichen? Überlege mit mir: Im deutschsprachigen Raum wird täglich zwei Stunden ferngesehen. Man ersetze diese Zeit vollständig durch Lesen. Dann rechne man sich die Lesegeschwindigkeit pro Stunde aus, z. B. 20 Seiten. Wer eine Stunde pro Tag liest, schafft so in 300 Tagen 6000 Seiten jährlich. (Für mich verdoppelte ich diese Zeit. So komme ich auf 12‘000 Seiten pro Jahr. Das sind 60 Bücher mit durchschnittlich 200 Seiten.)

Wer erst mit Lesen beginnt, der soll mit kleineren Einheiten anfangen. Lieber zehn Minuten und fünf Seiten täglich als eine Woche lang sich durch 20 Seiten zu quälen. Als Vater einer Großfamilie muss ich hinzufügen: Ich verstehe jeden, der in einer solch anstrengenden Zeit nicht auf eine Stunde Lesezeit kommt. Es heißt viel mehr: Dranbleiben.

Eine gute Hilfe beim Strukturieren der Lesezeit ist die Überlegung, wie Fahrzeiten dazu genützt werden können. So gewöhnte ich mir vor Jahren an, auf dem Arbeitsweg auf das Lesen der Tageszeitung zu verzichten zugunsten viel besserer Literatur. Ich nutze zudem Mittagspausen und andere Transfers für das Lesen. Manchmal suche ich schöne Orte auf, um Abschnitte zu lesen. Diese Erfahrungen sind unvergesslich.

In einem Buch leben

Nach einigen Jahren regelmäßiger Lektüre kam ich auf den Geschmack, mir größere Werke vorzunehmen. Für ein 2500-seitiges theologisches Werk reservierte ich mir 100 Tage. Die Lesezeit betrug im Durchschnitt eine Stunde pro Tag, also 25 Seiten. Auch wenn die Lesezeit um zehn oder 20 Tage verlängert wird, bleibt eine solche Erfahrung unvergesslich. Auch hier musste ich einige Barrieren überwinden.[2]

  • Lass dir die Zeit, um dich mit dem Stil des Autors vertraut zu machen. Es bewährt sich, vor dem Beginn schon mal zu schmökern und einige Abschnitte ganz oder quer zu lesen.
  • Aller Anfang ist happig. Eine innere Stimme wisperte mir dazu: „Das schaffst du nicht, hör auf damit. Willst du dich fertig machen?“
  • Mit der Zeit bilden sich “Inseln”. Ich merke, dass einzelne Themen wiederkehren. Mein Gehirn beginnt einer Spinne gleich mit dem Bauen eines Netzes.
  • Ein Markiersystem unterstützt beim “Erobern” von neuem Terrain. Ich habe dies bereits im Abschnitt „Ein Buch erobern“ des zweiten Teils besprochen.
  • Schreiben hilft beim Verarbeiten. Nach einer Zeit beginne ich einen thematischen Speicher anzulegen.
  • Langsam kann ich die Lesegeschwindigkeit steigern. Es ist schade, sich beim Lesen von guter Literatur unter Druck zu setzen. Ich lasse mir Zeit, einzelne Seiten zwei- oder dreimal zu lesen. Einige Abschnitte genieße ich an Orten mit schöner Aussicht. Die Bücher begleiten mich überall hin, das heißt sie tragen die Spuren des täglichen Gebrauchs. Sie werden meine Begleiter.
  • „Goldnuggets“ müssen gesammelt werden. Bei gewissen Aussagen erlebe ich Betroffenheit, andere bewirken ein Aha-Erlebnis. Diesen Stellen schenke ich besondere Beachtung, das heißt ich kehre immer wieder zu ihnen zurück.

Gott schenkte uns Bücher

Unser Lesen ist ein wichtiger Teil unseres Denkens. Unser Denken wiederum ist ein Mittel, Gott und Menschen zu lieben. Wie wirkt sich dieses Lesen aus? Es führt mich täglich ins Gebet. Es liefert Überlegungen und Ideen für Ehe, Familie, Arbeit und Gemeinde. Es leitet mich an, anders zu handeln. Was für ein Vorrecht, dass Gott uns Bücher geschenkt hat!


[1] Trevin Wax. Should You Read 100 Books in 2011? http://www.thegospelcoalition.org/blogs/trevinwax/2011/01/04/should-you-read-100-books-in-2011/ (18.12.2014).

[2] Einige Hinweise verdanke ich Eduard Klassen. 20 Tipps und Tricks für das Lesen von Sachbüchern (nach dem Buch „A Christian Guide To Reading Books“ von Tony Reinke). http://www.nimm-lies.de/leserunde-lit-a-christian-guide-to-reading-books-vii/3274 (18.12.2014).

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Über den Autor

Hanniel Strebel (1975), verheiratet mit Anne Catherine, fünf Söhne, Vielleser und regelmäßiger Blogger. Er ist Betriebswirt (FH), Theologe (MTh, USA) und hat vor kurzem in Systematischer Theologie promoviert. Gott hat das Thema „Lernen“ als roten Faden in sein Leben gelegt. Seine Frau und er unterrichten ihre Söhne zusammen privat.
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