Buchrezension: Mehr als ein Sonntags-Flirt (Joshua Harris)

29. Mai 2016 1 Antwort von Jochen

„Schade, dass es dieses Buch nicht mehr zu kaufen gibt!“ Das waren in den letzten Jahren öfters meine Gedanken, wenn ich mein altes, verknittertes Exemplar von Joshua Harris‘ „Mehr als ein Sonntagsflirt – Gib der Gemeinde dein Ja-Wort“ in der Hand hielt, das 2006 bei Gerth-Medien erschienen war. Auch wenn das Cover dieser Ausgabe irgendwo zwischen „albern“ und „gewöhnungsbedürftig“ anzusiedeln war, war ich vom Inhalt des Buchs begeistert. Kein anderes auf Deutsch erhältliches Buch war (und ist) meines Erachtens so gut geeignet, jungen Menschen die Wichtigkeit von Gemeinde und Gemeindemitgliedschaft zu vermitteln.

Leider kam das Buch beim ursprünglichen Verlag nie über die erste Auflage hinaus und so war es seit einigen Jahren nicht mehr erhältlich. Umso begeisterter war ich, als ich mitbekam, dass die Christliche Verlagsgesellschaft in Dillenburg vor einem Monat eine auch optisch ansprechende Neuauflage auf den Markt gebracht hat.

Für den JosiaBlog hat Hanniel Strebel die Neuauflage rezensiert:

Ein junges Paar fühlt sich nicht mehr wohl in der Gemeinde. Der Lobpreis ist zu trocken, die Predigt zu lang, der Altersschnitt stimmt nicht mehr. Seit zwei Jahren besucht es abwechselnd und in loser Folge drei verschiedene Gemeinden am Ort.

Ein Student ist wegen dem Studium von zu Hause ausgezogen. In der fremden Stadt fühlt er sich nicht zu Hause. Er geht manchmal zu christlichen Studentenveranstaltungen. Wenn er zu Hause ist, besucht er die Gemeinde seiner Eltern.

Ein Ehepaar mit drei Kindern im Teenager- und Erwachsenenalter hatte in früheren Zeiten regelmäßig eine Gemeinde mit vielen anderen jungen Familien besucht. Während der Nachwuchs mittlerweile den christlichen Glauben völlig hinter sich gelassen hat, besuchen Vater und Mutter unregelmäßig unterschiedliche Gemeinden.

„Ich gehe in keine Gemeinde mehr. Ich bin enttäuscht von Gottes Bodenpersonal.“ Der Mann in mittlerem Alter möchte keine Gemeinde mehr besuchen. Ab und zu lädt er sich eine Predigt aus dem Internet herunter.

Dieses Buch redet in eine Not unserer Zeit: Die Konsumentenkultur hat längst auf die Kirchgemeinden übergegriffen. Pastoren wurden zu Unterhaltern, die Gemeindeglieder zu anspruchsvollen, wählerischen Konsumenten. Joshua Harris, der bereits Bücher zur Dating-Kultur geschrieben hatte, weitete mit diesem Buch das Thema auf die Kirche aus.

Das Buch kommt so daher, wie ich es für ein solches Thema für angemessen halte: In einem ansprechenden Einband, sauberem Druck, einem gut lesbaren Umfang. Harris geht von seiner eigenen Erfahrung aus: Er war selbst Kirchen-Feinschmecker. Nicht von oben herab, sondern als ermutigender Wegweiser versieht er seine Aufgabe. Das geschieht jedoch nicht auf Kosten der Klarheit.

Jesus betrachtet seine Gemeinde wie ein Bräutigam seine Gemeinde. „Gott hat Romantik, Leidenschaft und das Versprechen ewiger Liebe zwischen Mann und Frau erfunden, damit wir einen schwachen Abglanz der intensiven Liebe erhaschen können, die er selbst für seine Gemeinde empfindet und für die er sogar gestorben ist.“ (25)

Mark Dever, Pastor aus Washington DC, wird zitiert. „Wenn Sie kein Mitglied der Gemeinde sind, die Sie regelmäßig besuchen, dann könnte es sein, dass Sie auf dem Weg zur Hölle sind! […] Die Sicherheit, wirklich gerettet zu sein, besteht nicht in einer emotionalen Erfahrung oder einem Gebet, das wir irgendwann mal gesprochen haben. ‚Es ist mir egal, wie oft Sie während einer Predigt oder einer Lobpreiszeit zu Tränen gerührt sind. … Wenn Sie nicht ein Leben führen, das von Liebe zu anderen Menschen geprägt ist, findet sich in der Bibel kein Hinweis darauf, dass Sie ein Christ sind. Keiner!‘“ (49)

Viele Menschen treffen unüberlegt Entscheidungen, welche den Raum für die Hingabe in der Kirchengemeinde beeinträchtigen: Sie ziehen an einen Ort, der weit weg von der Gemeinde ist. Sie treten einem Club oder Verein bei, der Zeit und Substanz entzieht, die sonst der Gemeinde gehört hätten.

Nach welchen Kriterien sollen wir eine Gemeinde suchen? „Suche nach einer Gemeinde, die Gottes Wort lehrt. Suche nach einer Gemeinde, die Gottes Wort schätzt. Suche nach einer Gemeinde, die Gottes Wort lebt. Diese Punkte sind absolut unverhandelbar.“ (89)

Für mich das wichtigste Lernfeld war das letzte Kapitel: Rettet den Sonntag! Wenn es der wichtigste Tag der Woche sein sollte, braucht es Überlegungen, wie wir den Samstagabend verbringen, die Zeit vor dem Gottesdienst am Sonntag. Und wir sollten uns Gedanken darüber machen, wie wir den ganzen Sonntag für seine Zwecke einsetzen können.

Es ist Zeit für das Ja-Wort zur Gemeinde.

Joshua Harris: Mehr als nur ein Sonntagsflirt – Gibt der Gemeinde dein Ja-Wort, CV Dillenburg 2016, 8,90€. Erhältlich beim Betanien-Buchshop.

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Über den Autor

Jochen Klautke (Jg. 1988) arbeitet als Lehrer an einem christlichen Gymnasium in Gießen und studiert nebenbei Theologie. In seiner Heimatstadt ist er Teil der Gemeindeleitung der Bekennenden Evangelisch-Reformierten Gemeinde. Er spielt gerne Fußball und Volleyball, liest oder trifft sich mit Freunden.

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    […] als ein Sonntagsflirt" (treffender der englische Titel: "Stop Dating the Church") rezensiert. Jochen Klautke schreibt einleitend zur […]

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