Beten nach dem Herzen Gottes

14. Mai 2017 0 Antworten von Robin

„Und Jabez war angesehener als seine Brüder; und seine Mutter gab ihm den Namen Jabez, denn sie sprach: Mit Schmerzen habe ich ihn geboren. Und Jabez rief zu dem Gott Israels und sprach: O dass du mich reichlich segnen und meine Grenze erweitern wolltest und deine Hand mit mir wäre und du mich vor dem Übel bewahrtest, damit mich kein Schmerz trifft! Und Gott ließ kommen, was er gebeten hatte.“ (1. Chronik 4,9-10)

Kennst du Jabez?

Kennst du Jabez? Jabez war vermutlich der Nachkomme eines Mannes mit dem eleganten Namen Koz. Seine Mutter benannte ihn nach den schmerzhaften Wehen, die sie bei seiner Geburt hatte. Jabez heißt also übersetzt so viel wie „Er macht Schmerzen“. Sein Name wird deshalb manchmal mit „Kummerkind“ widergegeben, man könnte ihn aber auch einfach „Schwergeburt“ nennen.

Doch nicht nur, dass sein Name alles andere als schön klingt, er konfrontierte zusätzlich alle, die ihn hörten, mit der Tatsache, dass mit uns Menschen etwas nicht in Ordnung ist. Denn die Schmerzen der Geburt (wie auch alle anderen!) werden uns ganz am Anfang der Bibel als Gottes Fluch und Folge des Sündenfalls beschrieben (1. Mose 3,16). Sie erinnern uns – besonders die Frauen – daran, dass wir alle in eine von Gott abgefallene Welt hinein geboren wurden.

Von Jabez lesen wir aber auch noch eine weitere Sache, er „war angesehener als seine Brüder“. Dies könnte meinen, dass er trotz seines etwas seltsamen Namens beliebt unter dem Volk war. Möglich, doch spricht der Kontext weniger von Jabez‘ Beziehung zu seinen Mitmenschen, als von seiner engen Verbindung zu Gott. Jabez, der gefallene Mensch, war sich seiner Abhängigkeit von Gottes Gnade bewusst, darum war er – wie wir gleich sehen werden – ein Mann des Gebets, der in enger Gemeinschaft mit seinem Schöpfer lebte, und das machte ihn, ganz gleich wie die Menschen über ihn dachten, „angesehen“ oder geehrt vor Gott.

Anhand des folgenden Gebetes können wir einige Merkmale erkennen, die uns zeigen, warum Jabez ein Beter nach dem Herzen Gottes war und welche Herzenshaltung einen wahren Mann, eine wahre Frau Gottes ausmacht.

Das Gebet des Jabez

Zunächst sehen wir, dass Jabez sich an den „Gott Israels“ wendete. Er betete nicht ins Blaue, in der Hoffnung, dass irgendeine höhere Macht ihn vielleicht erhören möge, nein, er betete zu dem Gott den er kannte, dem Bundesgott seines Volkes; dem Gott, der sich dem Mose als Jahwe offenbarte; dem Gott, der mit seinem Volk in einer persönlichen Beziehung lebt – Jabez betete zu seinem Gott. Und in seinem Flehen finden wir vier Anliegen, die uns seine leidenschaftliche und innige Beziehung zu Gott aufzeigen.

  1. Reichlich Segen: Als erstes bittet Jabez um Gottes Segen. Gleichwie Jakob erkannte auch Jabez, dass es nichts Wichtigeres im Leben gibt, als dass Gott mit uns ist und uns segnet. Während Esau sein Erstgeburtsrecht und den damit verbundenen Segen für einen kleinen Snack verschmähte, lesen wir von Jakob, wie er dazu bereit war, bis ans äußerste dafür zu gehen, ja sogar mit Gott selbst zu ringen. Bei diesem Kampf lesen wir den beeindruckenden Ausspruch: „Ich lasse dich nicht los, es sei denn, du segnest mich“ (1. Mose 32,27). Dieses Bewusstsein, dass alles ohne Gottes Gegenwart und Wohlwollen nichtig ist, ist die Essenz wahrer geistlicher Erkenntnis. Jabez‘ Flehen um Gottes reichen Segen zeigt uns letztlich seine leidenschaftliche Sehnsucht nach Gottes Nähe und Fürsorge, es ist das Lechzen einer durstigen Seele nach dem lebendigen Gott selbst (Psalm 42,2-3).
  2. Erweiterte Grenzen: Seine Bitte um erweiterte Grenzen drückt weniger den Wunsch nach Wohlstand und Macht, als nach Glauben und Gehorsam aus. Gott hatte verheißen die Kanaaniter vor seinem Volk zu vertreiben und die Grenzen Israels zu erweitern (2. Mose 34,24). Jabez beschreibt hier seine Sehnsucht nach Vertrauen und Gehorsam gegenüber den Verheißungen Gottes und ihrer Erfüllung, ähnlich wie Daniel um die bereits von Gott versprochene Rückkehr Israels aus dem Exil und Widerherstellung Jerusalems betete (Daniel 9,1-19). Jabez wollte nicht wie die zweifelnden Botschafter zuvor sein, die die Bewohner Kanaans mehr fürchteten als Gott. Er wollte seinem Herrn vertrauen und dementsprechend sein Leben im Gehorsam und Glauben auf Gottes Verheißungen ausrichten. Und um eben diesen Glaubensgehorsam und die Erfüllung der Verheißungen Gottes in seinem Leben, betete er.
  3. Gottes Kraft und Hilfe: Gottes Hand ist der Ausdruck seiner Stärke und Macht. Jabez wusste, dass er nur dann wirklich sicher sein konnte, wenn Gottes Hand mit ihm war und gleichsam wusste er auch, dass alles Arbeiten und Mühen der Menschen vergeblich ist, wenn der Herr nicht selbst das Werk vollbringt (Psalm 127,1).

    „All‘ unser Tun, es bleibt umsonst,
    Unser Erbe wird vergeh’n,
    Es sei denn Gott baut selbst sein Haus,
    Menschenwerk kann nicht besteh‘n.“

    Mit Demut und einfältigem Vertrauen betete Jabez also darum, dass Gottes Hand mit ihm sei, um ihn zu führen, zu schützen und ihm auf allen seinen Wegen Gelingen zu schenken. Wie ein Knecht seine Augen auf die Hand seines Herrn, und die Magd auf die Hand ihrer Herrin richtet, so hoffte Jabez auf die Barmherzigkeit des lebendigen Gottes (Psalm 123,2).

  4. Bewahrung vor dem Bösen: Mit der Bitte um Bewahrung vor Bosheit und Schmerzen spielt Jabez auf seinen eigenen Namen an. Er fürchtete sich davor, dass dieser Programm in seinem Leben werden würde. Die ständige Konfrontation mit seiner „schweren Geburt“ ließ ihn verstehen, wie schrecklich die Rebellion gegen Gott ist und welch‘ schmerzhaften Folgen sie mit sich zieht. Sicher erkannte er, wie leicht sein eigenes Herz dazu geneigt war, falsche Wege einzuschlagen, gegen Gott und seine Mitmenschen zu sündigen und letztlich großen Schaden dadurch anzurichten. Darum flehte er sehnlich, dass Gott ihn vor dem Bösen und den damit verbundenen Schmerzen bewahren möge.

Jabez war ein Mensch, der sich seiner absoluten Abhängigkeit von Gottes Gnade und Fürsorge bewusst war, er war ein Mann, der sich vor falschen Wegen in Acht nahm, und von Herzen gehorsam sein wollte. Jabez drückt in seinem Gebet aus, was es bedeutet leidenschaftlich sehnsüchtig nach dem lebendigen Gott zu sein. Und Gott in seiner großen Liebe und Gnade lies alles geschehen, was das brennende Herz seines Knechtes sich gewünscht hatte.

Anliegen für unser Gebet

Wir können aus 1. Chronika 4,9-10 folgende Anliegen für unser eigenes Gebetsleben mitnehmen:

  1. Herr, lass uns erkennen was es bedeutet in eine von dir abgefallene Welt geboren zu sein. Schenke uns ein Bewusstsein für unsere eigene Sündhaftigkeit und lass dies unser Antrieb dafür sein, dich mit aller Kraft zu suchen und uns von ganzem Herzen nach deiner Gnade auszustrecken.
  2. Mach uns bewusst, dass alle Freuden dieser Welt nichts als trockene Zisternen im Vergleich zu dir sind. Schenke uns ein tiefes und sehnliches Verlangen nach dir, der Quelle des ewigen Lebens. Lass es nicht zu, dass wir deinen Segen verschmähen, sondern schenke es uns, deine Gegenwart und dein Wohlwollen mehr als alles andere zu suchen.
  3. Herr, dein Wort steht unerschütterlich fest, darum bitten wir um ein tiefes Vertrauen auf all die Zusagen, die du uns gemacht hast. Lass uns erkennen und glauben, dass du keine deiner Verheißungen verloren gehen oder hinauszögern lässt (vgl. Jos 21,45; 2Petr 3,9), alles geschieht nach deinem souveränen Ratschluss. Darum möchten wir in Gehorsam und Vertrauen darauf leben, bitte gib uns die Kraft dazu.
  4. Großer Gott, unser Tun ist nichtig, wenn du ihm nicht einen Sinn gibst. Unser Werk ist vergeblich, wenn du es nicht gelingen lässt. Wir sind machtlos, wenn du uns nicht die Kraft gibst. Darum mach uns zu Bettler, die mit leeren Händen vor dich treten und in allen Dingen allein auf deine Gnade und Hilfe hoffen.
  5. Herr, wir wurden mit einem bösen Herzen geboren, in Sünde haben uns unsere Mütter empfangen. Ein einziger menschlicher Fehltritt hat die ganze Welt ins Chaos gestürzt und wie leicht sind wir dazu geneigt deine guten Gebote zu missachten und unsere eigenen Wege zu gehen. Bitte bewahre uns vor Sünde und ihren schrecklichen Folgen, reinige uns von aller Ungerechtigkeit und schenke uns, durch deinen Geist in deiner Wahrheit zu wandeln. Lass uns durch unser Leben ein Licht für die Welt und ein Zeugnis deiner Herrlichkeit sein und das alles allein zu deiner Ehre, allmächtiger Gott. Bitte Herr, werde du unser ein und alles. Amen.
Bibel/Nachfolge

Über den Autor

Robin Dammer (geboren 1990) lebt seit kurzem in München, wo er als Gemeindegründer der FEG-MM tätig ist. In seiner Freizeit disputiert er gerne ausgiebig und hitzig über Theologie, verbringt Zeit mit Charlotte (seiner Gitarre...), kocht und backt allerlei Leckerei, oder jagt dem runden Leder auf dem Sportplatz nach. Sein großer Wunsch ist es, dass das Land der Reformation aus seinem geistlichen Tiefschlaf erwacht und Christus aufs Neue als Herr und Heiland von deutschen Kanzeln gepredigt wird.
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