Von Jesus lernen (2) – Gottes Wort ehren

02. Juli 2017 0 Antworten von Declan

Jesus hat ohne Ausnahme alles geglaubt, was die Schrift sagt. Wenn wir seine Jünger sein wollen, müssen wir das auch tun.

Weise Gottes Wort nicht ab!

Jesus glaubte, dass Bibelstellen immer Recht haben. Einmal wirft man ihm Gotteslästerung vor, weil er behauptete, Gottes Sohn zu sein (Johannes 10,33). In seiner Antwort offenbart er sein Schriftverständnis. Er zitiert (aus dem Gedächtnis) die erste Hälfte von Psalm 82,6: Gottes Wort sage, zumindest in gewisser Weise: alle Menschen sind Götter. Also habe er keine Gotteslästerung begangen. Für Jesus ist damit das Thema gegessen. Er hat Gottes Wort zitiert, Gottes Wort hat immer Recht, also hat der, der es richtig zitiert, auslegt und anwendet Recht. Jesu Schriftverständnis ist „Die Schrift kann doch nicht gebrochen werden!“ (Johannes 10,35). Das heißt, die Schrift kann nicht überboten, wegdiskutiert, relativiert, oder abgewiesen werden. Oder in Jesu eigenen Worten:

„Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird weder der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz vergehen, bis alles erfüllt ist“ (Matthäus 5,17-18).

Er hält das Wort Gottes bis in die Buchstaben hinein für unabweisbar. Lerne von Jesus, dass Gottes Wort immer über uns stehen muss. Über unseren Meinungen, über unseren Erfahrungen, über unseren Gefühlen, und was sonst noch unserer Kultur heute heilig ist. Unterordnung unter die Schriften ist Unterordnung unter Gott. Wer die Schriften abweist, weist den ab, der in ihnen spricht.

Die Lehre hier ist aber für die meisten Christen natürlich nicht einfach nur „Du sollst nicht die historisch-kritische Methode gutheißen“. Es geht vielmehr darum, im Alltag auf dich selbst zu achten: Wo ist dein Schriftverständnis ein Lippenbekenntnis geworden? Denn wir alle weisen Gottes Wort täglich von uns, und das geht nicht als Jünger. Also ehre Gottes Wort, indem du es wirklich liest, indem du Predigten wirklich hörst, und sein Wort wirklich umsetzt (Sprüche 23,12). Schau auf deinen Heiland. Der hat es dir vorgelebt.  Egal ob mit Zwölf Jahren im Tempel (Lukas 2,41-52), oder mit ca. 30 Jahren am Kreuz (Lukas 23,46 = Psalm 31,6): Immer war Gottes Wort in seinem Herzen und auf seinen Lippen. Schau ihn an, dann brennt dein Herz (Lukas 23,32).

Weil Jesus dein Vorbild ist, kämpfe darum, Gottes Wort spannender zu finden als Serien, soziale Medien, Computerspiele und was sonst noch um deine Aufmerksamkeit buhlt. Schon im Alten Testament sind Götzen immer (Bild)Medien gewesen, die das Herz von Gott und seinem Wort wegziehen. Das ist heute nicht anders. Wehre dich dagegen. Der Griff zur Bibel, nicht der Griff zum Smartphone, soll automatisch sein.

Bereite dich innerlich auf das Lesen und Hören von Gottes Wort vor. Wer sein Herz auf Gottes Wort vorbereitet, hat mehr von einer Predigt. Also bete für dich selbst, für die anderen, für den Prediger (2.Thessalonicher 3,1). Lass dich beim Hören nicht gedanklich ablenken (Markus 4,15).

Wisse, dass du für deine Anwendung mindestens genauso verantwortlich bist, wie der Prediger. Warum wartest du vergeblich auf die perfekte Anwendung, die genau auf dich und deine Situation zugeschnitten ist? Du bist mit deinem Herzen allein (Sprüche 14,10). Denke nach und erkenne (2Timotheus 2,7), was deine Anwendung ist. Schreibe dir auf was du umsetzen willst, das ist mehr wert, als die ganze Predigt wörtlich mitzuschreiben.

Vertraue Gottes Wort!

Jesus vertraute Gottes Wort. Er glaubte an die Historizität der Geschichten, die er in der Schrift las. Jona und der Fisch waren für ihn historisch, weil Gott das in seinem Wort behauptet: „Denn so, wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des großen Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein“ (Matthäus 12,40). Wir wissen, dass Jesus von einem historischen Jona und einem historischen Fisch ausgeht, weil er auch von historischen Männern von Ninive ausgeht: „Die Männer von Ninive werden auftreten im Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen. Denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und seht, hier ist mehr als Jona“ (Matthäus 12,41). Lerne von Jesus, dass Gottes Wort vollkommen vertrauenswürdig ist. Gottes Wort ehren heißt Gottes Wort vertrauen. Wer den Schriften misstraut, misstraut dem, der in ihnen spricht. Wenn dein Christsein nicht radikal ist sondern lau, nicht leidenschaftlich sondern langweilig, nicht kraftvoll sondern furchtsam, dann liegt das sehr wahrscheinlich daran, dass du zu niedrig von Gottes Wort denkst. Traue dich, mehr vom Wort zu halten, mehr vom Wort zu erwarten, mehr auf das Wort zu setzen!

Bist du Prediger? Dann traue dich, Gottes Wort auslegend zu predigen! Das ist Gottes Auftrag an dich: „Predige das Wort!“ (2.Timotheus 4,2). So will er sein Reich bauen. Das Auslegen seines Wortes ist die Methode, die Gott erwählt hat. Diese Methode hat für das erste Jahrhundert gereicht, und reicht auch für seinen geistesgeschichtlichen Doppelgänger, unser Jahrhundert. Predigern, die das nicht glauben, sagt Wilhelm Busch: „Wer dem Worte nichts zutraut, der soll das Verkündigen lassen, denn: Gottes Wort schafft es.[1]

Traue dich, Gottes Wort in der Seelsorge zu gebrauchen.  Du willst doch einen gebeugten Menschen aufrichten! Psalm 119,28 sagt, dass Gottes Wort uns aufrichtet: „Ich bin in Tränen aufgelöst vor Kummer, richte mich auf durch dein Wort.“

Traue dich, Gottes Wort in deine Freundschaften einzubauen. Du hast christliche Freunde zu Besuch – was hindert euch, zusammen etwas in der Bibel zu lesen? Was hindert dich, einen Bibelvers zu zitieren, wenn du mit deinen nichtchristlichen Freunden sprichst? Von Smalltalk über das Wetter (Matthäus 5,45) bis hin zu den großen Lebensentwürfen unserer Zeit (Sprüche 10,22) – Gott spricht doch durch sein Wort zu jedem wichtigen Thema.

Traue dich, Gottes Wort zu deiner Kraftquelle zu machen. Dir muss doch klar sein, dass die Konzentration auf Gottes Wort (Psalm 1,2) dir nach der Arbeit besser tut, als Zerstreuung durch eine Folge deiner aktuellen Serie: „Großen Frieden haben alle, die dein Gesetz lieben; es gibt nichts, was sie zu Fall bringen würde“ (Psalm 119,165). Willst du diesen Frieden denn nicht täglich haben?

Verstehe Gottes Wort!

Jesus fand Gottes Wort verständlich genug, um im Gespräch damit zu argumentieren. Wehre dich gegen die postmoderne (das heißt: weltliche) Vorstellung, man könne Gottes Wort nicht verstehen. Wehre dich gegen die Behauptung, dass alles eine Sache der Auslegung sei. Gottes Wort ist wahr (Johannes 17,17). Der Text hat eine vom Heiligen Geist beabsichtigte Bedeutung, einen Inhalt, den er durch einen menschlichen Autor zum Leser bringen will. Er will, dass du dir Mühe gibst, den Text zu verstehen, mit deinem Verstand. Natürlich können wir die Bibel ohne die Erleuchtung des Heiligen Geistes nicht richtig verstehen. Aber der Heilige Geist will deinen gottgegebenen Verstand erleuchten. Er ist nicht bloß für deine Gefühle beim Bibellesen zuständig. Paulus schreibt an Timotheus: „Bedenke was ich sage. Der Herr wird dir Verständnis geben.“ (2.Timotheus 2,7). Lerne von Jesus, dieser Verheißung über das Verstehen zu glauben: Wenn du bereit bist, dich geistig zu bemühen, ist Gott bereit dir geistlich zu helfen.

Deshalb: Liebe Gott auch mit deinem ganzen Verstand (Markus 12,30). Wenn du meinst, dein Verstand sei klein, dann sei eben im Kleinen treu (Matthäus 25,21). Versuche das Evangelium von der Gnade Gottes immer besser zu verstehen. Denke darüber nach, was es bedeutet, dass Gott der Sohn Mensch wurde und für deine Sünden starb. Finde Bibelstellen, die das so erklären, dass du es gut verstehen kannst und lerne sie auswendig, damit sie deine Gedanken prägen (5.Mose 6,6-7).

Nimm dir ein Buch der Bibel vor, studiere es, so gut wie du kannst. Stell dabei nicht so schnell die postmoderne Frage „Was sagt der Text mir?“, sondern frage: „Was sagt der Text überhaupt?“ „Was sagt er an sich?“ Lies gute Kommentare oder höre textauslegende Predigtreihen im Internet. Lies das Bibelbuch mehrmals, bis du dich in ihm auskennst. Wenn du „Experte“ für eines der Bücher der Bibel bist, wirst du den Rest besser verstehen. Oder willst du bis an dein Lebensende jede Bemerkung über ein biblisches Thema mit dem Satz beginnen müssen: „Ich kenne mich zwar nicht so gut in der Bibel aus, aber …“?

Verbreite Gottes Wort!

Jesus verstand sich in erster Linie als Prediger des Wortes Gottes (Markus 1,38). Das Reich Gottes wächst, indem das Wort Gottes wächst (Markus 4,26-29). Jesu Auftrag an seine Jünger lautet:

„Mir ist alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben. Darum geht hin und macht alle Völker zu Jüngern, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und indem ihr sie lehrt alles zu halten, was ich euch befohlen habe.“ (Matthäus 28,18-20).

Jesus will sein Wort, das Wort vom Kreuz, in der ganzen Welt verkündigen. Welche Rolle übernimmst du in diesem Dienst am Wort? In einer Minute kannst du diesen Artikel mit einem wortarmen Mitchristen teilen. Oder mit einem Prediger, der sich über eine Ermutigung freut. In ein paar Stunden oder Tagen kannst du in der Gemeinde noch bewusster „das Wort Christi reichlich unter euch wohnen lassen“ (Kolosser 3,16). Wann gründest du endlich diesen Schülerbibelkreis? Warum bist du nicht bei der Studenten Mission? Wenn du im Beruf stehst, könntest du ein Gideon werden. Ist es sogar möglich, dass du zum Predigen berufen bist? Dann sei kein Jona, denn: „Seht, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“

Buchtipps:

  • Adam, Hearing God’s Words. Exploring Biblical Theology
  • Adam, Speaking God’s Words. A Practical Theology of Preaching
  • Berkhof, Grundriss der biblischen Lehre. Die wichtigsten Wahrheiten der Bibel
  • Bethanien Verlag, Sieben Gründe täglich die Bibel zu lesen
  • Boice, Die Unfehlbarkeit der Schrift
  • Busch, Jesus predigen – nicht irgendetwas!
  • Bruce, Die Glaubwürdigkeit der Schriften des Neuen Testaments. Eine Überprüfung des historischen Befundes
  • Carson, The Gagging of God. Christianity Confronts Pluralism
  • Chandler, Creature of the Word. The Jesus-Centred Church
  • DeYoung, Gott beim Wort nehmen. Warum die Bibel es wert ist, sie zu kennen und ihr zu vertrauen
  • Edwards (Brian), Die Wahrheit der Bibel. Autorität, Inspiration und Geschichte
  • Emlet, Wie man Gottes Wort in der Seelsorge anwendet
  • Helm, Die Auslegungspredigt. Wie wir heute Gottes Wort verkündigen können
  • Lawson, Die Hungersnot – Ein leidenschaftlicher Ruf nach Auslegungspredigt
  • Lloyd-Jones, Die Predigt und der Prediger
  • Piper, Ihn verkündigen wir. Die Zentralität Gottes in Predigt und Verkündigung
  • Spurgeon, Ratschläge für Prediger
  • Stadelmann, Kommunikativ Predigen. Plädoyer und Anleitung für die Auslegungspredigt
  • Timotheus Magazin #16 3/2014, Die Predigt
  • Wenham, Jesus und die Bibel. Autorität, Kanon und Text des Alten und Neuen Testaments

[1] Wilhelm Busch, Jesus predigen – nicht irgendetwas! In: Wilhelm Busch Bibliothek Band 8, Neukirchen-Vluyn 2006, 13

Bibel/Nachfolge

Über den Autor

Declan McMahon, Jahrgang 1986, hat Gymnasiallehramt studiert (Englisch und Geschichte). Zwölf Jahre seines Lebens verbrachte er in England, eines in Japan. Seine Hobbies sind Sport, besonders Fußball, und Lesen. Er arbeitet in seiner Gemeinde, der FeG Friedberg, im Bereich Jugend mit.
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