Wenn Gott nicht im Zentrum ist… (Predigt zu Hag 1)

23. Juli 2017 2 Antworten von Johan

Die Sonne ist das Zentrum unseres Sonnensystems. Ihre Energie strahlt auf die Erde und bringt Leben in Hülle und Fülle hervor. Sie ist nicht nur die wichtigste Energiequelle für das Leben, sondern sie hält mit ihrer Kraft auch alle Planeten in ihrer Umlaufbahn. Sie sorgt dafür, dass es kein Chaos gibt, sondern dass alles in seinen geordneten Bahnen verläuft. Doch was würde passieren, wenn man die Sonne aus dem Zentrum verschieben würde? Was würde passieren, wenn sie sich langsam aus dem Zentrum des Sonnensystems wegbewegen würde? Alle Ordnung würde mit der Zeit zusammenbrechen. Die Planeten würden ihre geordnete Umlaufbahn verlassen. Und nicht nur das, sondern auch alles Leben würde irgendwann aussterben.

Ähnlich ging es den Israeliten, die gerade aus ihrer Gefangenschaft in Babylon zurückgekehrt waren. Ihnen ging es schlecht. Der Grund: Gott war nicht im Zentrum ihres Lebensalltags. Er war zwar nicht ganz aus ihrem Leben verschwunden, nur eben nicht im Zentrum. Andere Dinge hatten das Zentrum eingenommen. Und genauso wie Chaos und Unordnung in unserem Sonnensystem entsteht, wenn die Sonne nicht mehr im Zentrum steht, erlebten auch die Israeliten, wie die Ordnung in ihrem Leben zusammenbrach und sich Unzufriedenheit unter ihnen breitmachte, weil Gott nicht mehr im Zentrum war.

Gott möchte nicht, dass wir denselben Fehler begehen. Und genau deswegen hat er für uns die Geschichte aus Haggai 1 aufschreiben lassen. Seine Botschaft an uns lautet heute: Stelle Gott ins Zentrum deines Lebens!

Doch warum sollen wir Gott ins Zentrum unseres Lebens stellen? Haggai gibt uns drei Gründe:

  1. Weil Gottes Verherrlichung oberste Priorität hat,
  2. weil Egoismus dich nicht zufrieden stellt und
  3. weil Gott selbst mit dir sein wird.

Stelle Gott ins Zentrum deines Lebens,
weil Gottes Verherrlichung oberste Priorität hat!

Das Volk Israel war nach langjähriger Gefangenschaft in Babylon wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Gott hatte sein Wort gehalten. Sie waren wieder zu Hause, befreit vom Exil, befreit aus der Gefangenschaft. Israel war nun zurück im verheißenen Land. Doch sie sollten nicht nur im verheißenen Land leben, sie  sollten auch unter Gottes Herrschaft stehen. Gott sollte ihr König sein. Sie sollten Gott allein dienen. Genau das war die DNA des Volkes Israel: Ein Leben mit Gott im Zentrum. Gott sollte im Zentrum ihres ganzen Lebens, Denkens und Handelns stehen.

Doch anstatt Gott ins Zentrum ihres Lebens zu stellen und gemäß ihrer Identität als Gottes Volk zu leben, lebten die Israeliten so weiter, wie die Heiden es taten, mit denen sie im Exil gelebt hatten. Sie lebten für sich selbst. Sie stellten Gott nicht ins Zentrum. Sie verherrlichten Gott nicht. Und so war auch Gottes Wohnung nicht mehr ihre oberste Priorität. Vielmehr lag Gottes Wohnung in Trümmern. Ihre Ruinen lagen da, einsam und verlassen, und niemanden interessierte es. Anstatt sich um Gottes Wohnung Sorgen zu machen, war jeder darum besorgt, sich ein gutes Leben zu erarbeiten, genug zu essen zu haben, und rundum versorgt zu sein.

Dem wollte und konnte Gott nicht einfach so zusehen: Und deswegen redete er zu dem Volk Israel:

So spricht der Herr der Heerscharen: Dieses Volk sagt: »Es ist noch nicht die Zeit, zu kommen, die Zeit, um das Haus des Herrn zu bauen!« Da erging das Wort des Herrn durch den Propheten Haggai folgendermaßen: Ist es aber für euch an der Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus in Trümmern liegt? (Hag 1,2-4)

Gott klagt sein Volk an, indem er einen starken Kontrast macht: Die Israeliten selbst wohnten in königlichen Palästen, doch ihr König hatte nicht mal ein Haus. Die Israeliten selbst sorgten sich fleißig um ihre eigenen Bedürfnisse, doch ihren König behandelten sie wie einen verstoßenen Obdachlosen. Denn Gottes Haus, in dem seine Herrlichkeit wohnen sollte, lag in Trümmern. Es war vom Krieg zerstört und keinen interessierte es.

Und während Gott besorgt war um sein Haus, war es dem Volk scheinbar egal, was mit Gottes Wohnstätte passierte. Es war ihnen egal, ob seine Herrlichkeit und Gegenwart unter ihnen wohnte. Um es auf den Punkt zu bringen: Das Problem der Israeliten war Egoismus und Gleichgültigkeit.

Israel rebellierte nicht offensichtlich gegen Gott, sie beteten keine Götzen an, sie hurten auch nicht anderen Völkern nach. Ihre Sünde war viel subtiler. Sie sagten nicht: „Wir wollen das Haus des Herrn gar nicht bauen.“ Nein. Sie hatten Gott nicht komplett abgeschworen. Sie hatten schon ein gewisses Interesse am Haus des Herrn. Sie wollten es schon noch bauen. Nur nicht sofort. Später. Was dieses Volk sagte, war folgendes: „Es ist noch nicht die Zeit, zu kommen, die Zeit, um das Haus des Herrn zu bauen!“(V.2).

Warum klagt Gott das Volk also so scharf an? Warum ist er über diese Haltung der Israeliten so erbost? Sie sind doch gerade erst aus der Gefangenschaft gekommen. Ist es da nicht verständlich, dass man für sich und seine Familie sorgt? Der Grund für Gottes Anklage gegen sein Volk ist folgender: Gottes Verherrlichung sollte oberste Priorität haben. Die Beziehung zu Gott musste an erster Stelle stehen. Weniger als das war und ist unter seiner Würde. Und für das Volk war Gottes Verherrlichung im Moment nicht die oberste Priorität. Gottes Verherrlichung stand für sie nicht im Zentrum. Deswegen war Gott so entsetzt.

Die Haltung der Israeliten spiegelt auch die Haltung vieler Menschen von heute wieder. Man glaubt an Gott, geht sonntags in die Kirche, man gibt sich vielleicht sogar spirituell. Und damit ist das Soll auch schon erfüllt. „Ich glaube an Gott, das reicht. Aber was wirklich Priorität hat, ist, dass ich einen guten Schulabschluss schaffe, dass ich ein gutes Studium oder eine gute Ausbildung bekomme, dass ich einen guten Job finde, dass ich eine gute Familie gründe, dass ich eine schöne Freizeit habe und so weiter. Es ist noch nicht die Zeit, Gottes Haus zu bauen. Es ist noch nicht die Zeit, Gott in das Zentrum meines Lebens zu stellen. Es ist noch nicht die Zeit, dass ich ihn zu meiner obersten Priorität mache.“ Man sagt das nicht so offen, aber oft zeigt unser Leben doch, was uns wirklich wichtig ist.

Es gilt jedoch auch heute noch: Entweder ist Gott die Nummer eins oder er kann nicht dein Gott sein. Entweder du dienst Gott an erster Stelle und mit oberster Priorität oder du kannst ihm gar nicht dienen. Denn mit weniger wird Gott sich nicht zufriedengeben.

Deswegen, stelle Gott ins Zentrum deines Lebens, weil seine Herrlichkeit oberste Priorität hat!

Stelle Gott ins Zentrum deines Lebens,
weil Egoismus dich nicht zufrieden stellt!

Und nun, so spricht der Herr der Heerscharen: Achtet doch aufmerksam auf eure Wege! Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und habt doch nicht genug; ihr kleidet euch und werdet doch nicht warm; und wer einen Lohn verdient, der legt ihn in einen durchlöcherten Beutel! So spricht der Herr der Heerscharen: Achtet doch aufmerksam auf eure Wege! (Hag 1,4-7)

Gott lud sein Volk dazu ein, scharf nachzudenken und den Tatsachen ins Auge zu blicken. Sie sollten sich darüber bewusstwerden, was ihnen ihr Egoismus eigentlich brachte. Ihnen sollte klarwerden, dass ihr Egoismus ihnen nichts als Frustration und Enttäuschung einbrachte. Denn all ihre Mühe, selbst die notwendigsten und einfachsten körperlichen Bedürfnisse nach Essen, Trinken und Kleidung, zu stillen, schlugen fehl.

Warum? Weil sie in ihrem Egoismus ihr wichtigstes Bedürfnis übersehen hatten: Die Gemeinschaft mit Gott. Die Gegenwart Gottes unter ihnen. Die Herrlichkeit Gottes in ihrer Mitte. Dieses grundlegendste Bedürfnis war von ihnen total vernachlässigt worden. War es da ein Wunder, dass auch die anderen Bedürfnisse nicht gestillt wurden? Der Tempel lag in Trümmern und die Herrlichkeit Gottes wohnte nicht unter ihnen. Wie sollten sie da unter Gottes Segen in Fülle und Überfluss leben? Genau dieses Problem bringt Gott zur Sprache:

Ihr habt viel erwartet, doch siehe, es wurde wenig daraus; und brachtet ihr es heim, so blies ich es weg! Warum das? So spricht der Herr der Heerscharen: Um meines Hauses willen, das in Trümmern liegt, während jeder von euch eilt, um für sein eigenes Haus zu sorgen! Darum hat der Himmel über euch seinen Tau zurückgehalten, und die Erde hat ihren Ertrag zurückgehalten. Und ich habe die Dürre gerufen über das Land und über die Berge, über Korn, Most und Öl und über alles, was der Erdboden hervorbringt, auch über Menschen und Vieh und über alle Arbeit der Hände. (Hag 1,9-11)

Aufgrund ihres Egoismus und ihrer Gleichgültigkeit gegenüber der Gegenwart Gottes, brachte Gott den Fluch über sie, den er ihnen immer wieder und wieder vorher angekündigt hatte. Es war der Fluch aufgrund ihrer Untreue gegen Gott. Gott verfluchte den Himmel, so dass es nicht regnete, und er verfluchte die Erde, so dass sie keine Ernte einfahren konnten.

Vielleicht geht es dir heute ähnlich wie dem Volk Israel damals. Du hast dich abgemüht und du hast geschuftet und gearbeitet. Du warst nicht faul, sondern fleißig.  Du hattest große Erwartungen an die Zukunft, du hattest große Träume. Doch jetzt bist du enttäuscht, weil dein Leben nicht so verlaufen ist, wie du dir das erträumt hast. Jetzt bist du frustriert, weil sich deine Wünsche und Erwartungen nicht erfüllt haben. Du bist enttäuscht vom Leben. Du erlebst eine innere Leere und Frustration.

Lass mich dir folgende Frage stellen: Kann es sein, dass du bei deinen Mühen und Arbeiten Gott nicht vor Augen gehabt hast? Kann es sein, dass Er in deinem Leben nicht das Zentrum war? Kann es sein, dass du in deiner Geschäftigkeit die Beziehung zu Gott vernachlässigt hast?

Gott redet heute durch sein Wort zu dir: Achte doch aufmerksam auf deine Wege! Denke doch darüber nach, ob dir deine Mühen und dein Fleiß, die du für deine eigenen Ziele aufgewendet hast, irgendwas gebracht haben. Werde dir doch darüber bewusst, dass all dein Streben, um dir deine eigenen Wünsche und Träume zu erfüllen, dir nicht die Erfüllung und die Zufriedenheit gegeben haben, die du dir von ihnen erhofft hast.

Deswegen: Lebe nicht mehr für dich selbst! Du wirst nicht glücklich werden. Du wirst nicht satt werden. Stelle Gott ins Zentrum deines Lebens, weil dein Egoismus dich nicht glücklich macht.

Stelle Gott ins Zentrum deines Lebens,
weil Gott selbst mit dir sein wird!

Im letzten Abschnitt des Kapitels sehen wir, wie Gott die Israeliten mit einer Verheißung ermutigt, wie er sie motiviert. Denn nachdem die Israeliten auf Gott hören und anfangen zu bauen, redet Gott zu ihnen: Da sprach Haggai, der Bote des Herrn, im Auftrag des Herrn zum Volk: Ich bin mit euch! spricht der Herr(Hag 1,13).

Gott sagt dem Volk zu, dass er mit ihnen ist. Er sagt ihnen zu, dass er nicht gegen sie, sondern dass er für sie ist. Dass er sie segnen wird, dass er sie nicht verlassen wird. Und als wäre diese göttliche Zusage nicht schon Motivation genug, um am Tempel zu arbeiten, geht Gott sogar noch einen Schritt weiter: Er selbst schenkt dem ganzen Volk die Kraft und den Willen und die Motivation, um am Tempel arbeiten zu wollen. Das heißt, die Israeliten zwangen sich nicht dazu, an die Arbeit zu gehen, sondern Gott bewegte das Herz des Volkes durch seinen Geist soweit, dass sie es aus freien Stücken taten.

Und der Herr erweckte den Geist Serubbabels, des Sohnes Schealtiels, des Statthalters von Juda, und den Geist Jeschuas, des Sohnes Jozadaks, des Hohenpriesters, und den Geist des ganzen Überrestes des Volkes, so dass sie kamen und die Arbeit am Haus des Herrn der Heerscharen, ihres Gottes, in Angriff nahmen(Hag 1,14).

Vielleicht sagst du jetzt: Ist ja schön, dass Gott das bei den Israeliten damals so gemacht hat. Ist Gott auch mit mir? Gilt das denn auch für mich? Die Antwort lautet: Ja! Und für dich und mich ist es sogar noch viel besser. Denn Gott hat seine Zusage für uns wiederholt. Und Gott hat seine Zusage nicht nur wiederholt, sondern er hat sie auch mit göttlicher Autorität bestätigt. Denn in Jesus Christus, seinem eigenen Sohn, hat Gott ein für alle Mal unmissverständlich klargemacht, dass er mit uns ist. Jesus ist Immanuel – Gott mit uns – obwohl wir seinen Tempel nicht gebaut haben; obwohl wir in unserer Sünde und unserem Egoismus feststeckten.

Wie ist das möglich? Wie kann Gott mit uns sein? Christus selbst ist unser Tempel geworden! Christus selbst ist der Wohnort Gottes, an dem die Herrlichkeit Gottes in ihrer Fülle wohnte. In Christus selbst war Gottes Gegenwart vollkommen zu sehen. Und dieser Tempelaus Fleisch und Blut wurde ebenfalls zertrümmert. Jesu Körper, sein Tempel, wurde zerstört. Und das nicht von irgendwem. Jesus, der wahre Tempel Gottes, wurde aufgrund unserer Sünde am Kreuz von seinem eigenen Vater zerstört. Gott ließ all seinen Zorn gegen unsere Sünde auf seinen eigenen Sohn niederregnen und zertrümmerte ihn vollständig.

Und Jesus wusste um dies alles im Voraus. Und er sagte nicht nur seinen Tod voraus, sondern auch seine Auferstehung: „Brecht diesen Tempel ab und in 3 Tagen werde ich ihn aufrichten“ (Joh 2,19).

Genau so ist es geschehen. Jesus ist nach 3 Tagen auferstanden. Er hat seinen zertrümmerten Tempel wiederaufgerichtet, so dass er in Ewigkeit unzerstörbar ist. Und nun ist er für uns der ewige Tempel Gottes geworden, in dem wir Zugang zu Gott finden. In ihm dürfen wir sicher sein, dass Gott mit uns ist. Durch ihn haben wir die Gewissheit, dass Gott uns nicht verlassen wird. Und durch den Glauben an ihn schenkt Gott uns auch ein neues Herz, das ihn zur obersten Priorität machen will. Ein Herz, das von nun an Gottes Tempel bauen will. Durch den Glauben an Jesus werden wir dazu befähigt, an Gottes Tempel zu arbeiten, und so Gottes Herrlichkeit und Gegenwart wieder ins Zentrum unseres Lebens zu stellen. Genauso wie das Volk damals die Kraft bekam, um am Tempel zu bauen, um Gottes Herrlichkeit und Gegenwart wieder ins Zentrum ihres Lebens zu stellen.

Deswegen ruft Gott dir zu: Stelle mich ins Zentrum deines Lebens, weil ich selbst in Christus mit dir sein werde. Wenn du an ihn glaubst, gilt auch dir die Zusage, dass ich mit dir sein werde. Und wenn du an ihn glaubst, wirst du die Kraft bekommen, an seinem Tempel zu bauen.

Predigten

Über den Autor

Johan Hong, Jahrgang 1992, studiert seit Oktober 2012 in Hamburg Medizin. In seiner Freizeit engagiert er sich in der Arche Gemeinde Hamburg, wo er Verantwortung für ein Lobpreisteam im Jugendgottesdienst hat. Er ist leidenschaftlicher Musiker und spielt Klavier sowie Gitarre. Ansonsten liebt er es gute Bücher zu lesen.

Kommentare zu “Wenn Gott nicht im Zentrum ist… (Predigt zu Hag 1)”

  1. Naemi says:

    Danke für den Aritkel Johan! Da spricht Gottes Wort direkt in mein Leben. Egoismus macht uns wirklich unglücklich. Nur die Verherrlichung Gottes und Er selbst wird uns zufrieden stellen können.

  2. Johan says:

    Danke für das Feedback! =)

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