Anders = Falsch!?

20. August 2017 0 Antworten von Betty

Ich bin Deutsche. Naja, okay, Russlanddeutsche, um genau zu sein.

(Russland)deutsch ist an mir, dass ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin. Ich bin in Deutschland zur Schule gegangen, habe mein Abi gemacht, studiert und arbeite jetzt hier. Ich zahle meine Steuern und bin versichert. Meine Muttersprache ist Deutsch, mein Denken ist oft Deutsch („Disziplin und Ordnung“) und ich träume auf Deutsch. Ich habe blonde Haare und blaue Augen. Ich war an der Ost- und Nordsee, am Brandenburger Tor und bei den Bremer Stadtmusikanten. Ich habe meinen Führerschein mit 17 gemacht und fahre einen VW und mag die Autobahn. Als Kind habe ich „Wendy“-Zeitschriften verschlungen, Diddl-Blätter gesammelt und „Benjamin Blümchen“ – Kassetten gehört. Ich nutze Phrasen, wie „Im Grunde genommen…“ und „Pi mal Daumen“ und Worte wie „Schlingel“ und „Frechdachs“. Volkslieder wie „Kommt ein Vogel geflogen“ und „Alle meine Entchen“ kenne ich auswendig, ab und zu höre ich auch mal einen Schlager. Ich nutze Eselsbrücken, wie Nie ohne Seife waschen“ und „Wer nämlich mit „h“ schreibt, ist dämlich.“. Ich esse gerne Kartoffeln und ab und zu auch mal Pumpernickel. Aber ich rege mich oft auf, wenn jemand „typisch deutsch“ ist.

Russland(deutsch) ist an mir, dass ich meine Schuhe ausziehe, sobald ich zuhause bin oder jemanden besuche. Ich nehme mir sogar extra (warme) Socken oder „Tapatschki“ mit. Senioren aus meinem Bekanntenkreis nenne ich „Opa“ oder „Oma“, obwohl sie es nicht sind. Meine Nachbarin nenne ich „Tante Anna“, auch wenn wir nicht verwandt sind. Ich kann die Anzahl meiner Cousinen und Cousins nicht auswendig, weil es zu viele sind. Wenn ich die Reihenfolge der Geschwister meiner Eltern auf die Kette bekomme, ist das schon gut. Wenn ich in einem Jahr nur auf einer oder sogar auf keiner einzigen Hochzeit (an so einen Fall kann ich mich aber nicht erinnern) eingeladen bin, stimmt irgendwas nicht. Ich weiß, was die Generation meiner Eltern und Großeltern mit „drüben“ meint und sage „oj“, wenn mir etwas hinfällt. Ich kenne die Regeln von „Kartoschka“ und habe bei „Mascha“ direkt ein Bild vor Augen. Ich esse gerne Pelimeni und Mante und weiß, dass „Sematschki“ (geröstete Sonnenblumenkerne) kein Vogelfutter sind. Muss ich mich zwischen Cola, Fanta oder Kikos entscheiden, trinke ich auf jeden Fall Kikos. Aber ich verdrehe oft die Augen, wenn jemand so „richtig russisch“ ist.

Würde ich die Flüchtlinge, mit denen ich arbeite, fragen, wie sie Deutsche bzw. Europäer sehen, würden sie mir garantiert noch ganz andere Merkmale aufzählen. Ebenso wären es wohl zahlreiche andere Eigenschaften, mit denen sie ihre eigene Kultur beschreiben würden. Immer wieder gibt es Situationen, in denen ich den Kopf schütteln muss und mich frage, wie man nur so leben kann. Aber geht es ihnen nicht genauso mit uns?

Sie sind anders, aber ist ihr Verhalten deswegen falsch? Bin ich, mit meiner Kultur, meiner Lebensart, besser? Nein, ganz bestimmt nicht. „Anders bedeutet nicht falsch.“ Diese Wahrheit zu verstehen ist, das glaube ich zumindest, ein lebenslanger Prozess und ein wichtiger – gerade für uns Christen!

Natürlich gibt es auch Dinge, die uns fremd sind, die falsch sind! Das darf man natürlich nicht vergessen, aber guckt man in die Bibel, findet man zahlreiche Stellen, die aufzeigen, dass kein Mensch besser ist als der andere und man zunächst auf sich selbst, seine eigenen Fehler schauen sollte, bevor man sich über andere aufregt und die Kultur oder Lebensweise verurteilt… Wer bin ich, dass ich denke, ich könnte besser sein? Egal ob Deutscher, Engländer, Russe, Afghane, Syrer oder Chinese – die Wahrheiten der Bibel gelten für alle und bei Gott zählt das Herz und nicht die Kultur.

An dieser Stelle soll Gottes Wort alleine für sich sprechen:

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn wie ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen! – und siehe, ein Balken ist in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen. (Matthäus 7,1-5)

Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. (3. Mose 19,34)

Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für den Glauben hingestellt zur Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit der Geduld Gottes, um nun, in dieser Zeit, seine Gerechtigkeit zu erweisen, auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist aus dem Glauben an Jesus. Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. Oder ist Gott allein der Gott der Juden? Ist er nicht auch der Gott der Heiden? Ja gewiss, auch der Heiden. Denn es ist der eine Gott, der gerecht macht die Juden aus dem Glauben und die Heiden durch den Glauben. (Römer 3, 22-30)

Meine Brüder und Schwestern, haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der Person. Denn wenn in eure Versammlung ein Mann kommt mit einem goldenen Ring und in herrlicher Kleidung, es kommt aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung, und ihr seht auf den, der herrlich gekleidet ist, und sprecht zu ihm: Setz du dich hierher auf den guten Platz!, und sprecht zu dem Armen: Stell du dich dorthin!, oder: Setz dich unten zu meinen Füßen!, macht ihr dann nicht Unterschiede unter euch und urteilt mit bösen Gedanken? Hört zu, meine Lieben! Hat nicht Gott erwählt die Armen in der Welt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das er verheißen hat denen, die ihn lieb haben? (Jakobus 2, 1-5)

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (Matthäus 12, 31)

Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an. (1.Samuel 16,7)

Bibel/Nachfolge

Über den Autor

Betty Krüger, geboren 1994, hat es wieder an ihre alte Schule verschlagen, in der sie vorübergehend als Pädagogiklehrerin tätig ist. Sie liebt es Zeit mit ihrem Mann in der Natur zu verbringen, ihre Familie und Freunde zu sehen, Musik zu hören und zu machen, zu fotografieren oder auch mal ein gutes Buch zu lesen. Die Mitarbeit in einer Kindergruppe in ihrer Gemeinde in Soest macht ihr viel Spaß.
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