Erfüllt! (Jeremia 52)

07. September 2017 0 Antworten von Jochen

Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich am heutigen Tag über die Völker und über die Königreiche ein, um auszurotten und niederzureißen, und um zu zerstören und abzubrechen, um zu bauen und zu pflanzen…Ich werde über meinem Wort wachen, um es auszuführen! (Jeremia 1,9b.10.12b)

Das war Gottes Auftrag an Jeremia. Und es ist keine besonders schöne Botschaft: „Jeremia, verkündige mein Wort. Es wird größtenteils keine schöne Botschaft sein, aber ich werde sie erfüllen.“

Konkret war es seine Botschaft, dass der Götzendienst des Volkes so schlimm ist, dass Gott die Babylonier schicken würde, um das Volk zu richten. Unwiderruflich.

Diese Botschaft war eine Last für Jeremia. Sie führte dazu, dass er körperlich verfolgt wurde. Jeremia wurde enttäuscht, er war oft verzweifelt, er schrie zu Gott. Auch am gesellschaftlichen Leben durfte er nicht teilnehmen: keine Frau, keine Kinder, keine Feiern, nicht einmal auf Beerdigungen sollte er gehen – einerseits weil Gott es ihm verboten hatte, andererseits hatten vermutlich auch die Menschen keine große Lust auf den ‚ewigen Nörgler‘: „Den Jeremia, den wollen wir hier nicht, der verbreitet eh nur schlechte Stimmung.“ Sie hassten ihn so sehr, dass sie ihn irgendwann sogar umbringen wollten.

Und nach all den Kapiteln über Jeremia, sein Leben, den Untergang Jerusalems und die Ereignisse danach, kommt das letzte Kapitel: Kapitel 52.

Wenn man das Buch aufmerksam gelesen hat, stellt sich einem fast automatisch die Frage: Warum dieses Kapitel zum Schluss? Dass Jerusalem mitsamt dem Tempel zerstört wurde, das wissen wir bereits seit Kapitel 39. Viel Neues erfährt man nicht in diesem Kapitel, was man nicht schon vorher im Buch gelesen hätte. Wieso also gibt es Jeremia 52?

Um auszurotten und niederzureißen, um zu zerstören und abzubrechen…

Jeremia 52 ist nicht einfach eine Wiederholung. Es ist Gottes Botschaft zum Schluss des Buches: „Ich erfülle mein Wort.“ Das Volk war ungehorsam gewesen. Gott hatte durch Jeremia verkündigen lassen: „Weil ihr ungehorsam wart und seid, werde ich euch richten.“ Kapitel 52 zeigt uns: Genau wie es Gott gesagt hatte, so kam es auch.

Dabei ist das Kapitel kein umfassender Bericht über alles, was bei der Eroberung Jerusalems passierte. So wird Jeremia mit keinem Wort erwähnt. Aber es werden uns zwei Dinge beschrieben, die Gott seinem Volk weggenommen hat.

Das erste ist das Königtum (Verse 1-11). König Zedekia wurde ins Gefängnis geworfen, wo er bis zu seinem Tod blieb (52,11) und alle seine Söhne wurden ermordet (52,11). Damit war die Königsfamilie ausgelöscht. Das war deshalb so tragisch, weil Gott dem David verheißen hatte, dass seine Nachkommen ewig auf dem Thron in Jerusalem sitzen würden (2. Samuel 7,15-16). Und jetzt sorgte sein Ururur…enkel für das (scheinbare) Ende der Familie. Alle Hoffnungen, die die Israeliten in das Königtum gesteckt hatten, schienen vergeblich zu sein.

Das zweite, was die Israeliten weggenommen bekamen, war der Tempel (Verse 12-24). Es war der Ort, über den Gott verheißen hatte, dass er dort bei den Israeliten wohnen würde (1. Könige 6,12-13) Und auch dieser Ort wurde zerstört. Ausführlich beschreibt Jeremia wie alles Wertvolle aus dem Tempel entfernt wurde (Verse 17-23). Anschließend brannten die Babylonier den Rohbau nieder (52,13). Das Königtum war zerstört. Und Gottes Haus war auch zerstört.

Jeremia ist kein Gute-Laune-Buch, aber es zeigt uns, dass Gott sein Wort erfüllt – gerade dann, wenn er Gericht über Sünde ankündigt. Aber es zeigt uns noch mehr. Es zeigt uns, dass Gott bei allem Zorn, bei allem Gericht, seine Verheißungen der Gnade ebenfalls nicht vergessen hat.

…um zu pflanzen und zu bauen

Die letzten vier Verse des Buches wirken auf den ersten Blick völlig aus dem Kontext gerissen und deplatziert. Es wird berichtet, wie viele Jahre nach der Zerstörung Jerusalems ein gewisser Jojachin in Babylon von dem dortigen König aus dem Gefängnis befreit wird. Aber nicht nur das: Jojachin bekommt neue Kleidung, Geld, ein Platz am Tisch des Königs und sogar eine sehr hohe Position im babylonischen Reich. Warum endet das Buch Jeremia ausgerechnet mit dieser Geschichte?

Um das zu verstehen, müssen wir die Geschichte von Jojachin kennen. Jojachin war ebenfalls aus der Familie König Davids. Genau genommen war er ein Enkel Josias. Bevor sein Onkel Zedekia die letzten 11 Jahre über Jerusalem regierte, war Jojachin für 3 Monate König gewesen. Dann hatte ihn der König von Babylon mit in seine Hauptstadt genommen und Zedekia auf den Thron in Jerusalem gesetzt. Jojachin war genauso gottlos, wie seine Verwandten vor und nach ihm, die nach Josia auf dem Thron in Jerusalem saßen (2. Könige 24,8-17).

Nochmal die Frage: Warum endet das Buch Jeremia mit der Begnadigung dieses gottlosen Ex-Königs?

Es zeigt, dass Gottes Gnade trotz des Gerichtes nicht zu Ende ist. Denn auch Jojachin war ein Nachkomme Davids. Und während man noch in Vers 11 denken könnte: Mit dem Tod Zedekias ist die Königsfamilie endgültig tot, belehren uns die letzten vier Verse eines Besseren. Gott steht zu seinen Verheißungen, die er dem König David gegeben hatte. Dabei machte Jojachin auch nach Jahrzehnten in der Gefangenschaft keine Anstalten, Buße zu tun. Gott erbarmte sich über ihn aus reiner Gnade. Und so sendet Gott die Botschaft: „Ich habe meine Verheißung an David nicht vergessen und deswegen hole ich Jojachin trotz seiner Gottlosigkeit aus dem Gefängnis und mache ihn zu einem wichtigen Mann im Babylonischen Weltreich.“

Es gibt viel Negatives und ein paar Hoffnungsschimmer in den Predigten Jeremias. Kapitel 52 zeigt uns, dass Gottes Wort sich genau so erfüllt, wie es durch Jeremia gepredigt worden ist. Und aus diesem Grund dürfen wir uns heute noch auf dieses Wort verlassen, dürfen unser Leben darauf bauen und darauf vertrauen, dass Gott das, was er gesagt hat, auch tun wird.

Bibel/Nachfolge

Über den Autor

Jochen Klautke (Jg. 1988) arbeitet als Lehrer an einem christlichen Gymnasium in Gießen und studiert nebenbei Theologie. In seiner Heimatstadt ist er Teil der Gemeindeleitung der Bekennenden Evangelisch-Reformierten Gemeinde. Er spielt gerne Fußball und Volleyball, liest oder trifft sich mit Freunden.
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