Gegen die Strömungen des Atheismus und des Relativismus: Das Vorbild Daniels

17. Dezember 2017 1 Antwort von Hanniel

Junge Menschen in der Ausbildung, also zwischen 15 und 30 Jahren, werden innerhalb ihrer Ausbildungsgänge einem doppelten Sturm ausgesetzt. Einerseits tosen die Brandungen in Form von Konzepten heran, die behaupten: Alles, was wir sicher wissen können, sind messbare Fakten. Sie betreffen die Welt und zunehmend auch den Menschen. Gefühle sind abhängig von Hirnströmen. Dahinter steckt die Überzeugung, dass Materie und Energie hinter dem Ursprung aller Dinge stecken und nicht ein persönlicher Gott.

Auf der anderen Seite wird ihr Leben stark von der Vergleichsgruppe der Gleichaltrigen in Beschlag genommen. Diese drücken durch ihren Lebensstil aus: Solange du nicht einem Gesetz zuwider handelst (oder dich dabei erwischen lässt), gehört die Freizeit dir allein. Tobe dich aus, du lebst nur einmal. Was drin liegt, entscheidest du alleine. Es gibt keine übergeordneten Normen und Werte. Diese sind nur von Institutionen und vor allem von deiner Elterngeneration eingepflanzt worden, die sich um ihren Einfluss fürchten.

Daniel erlebte 600 Jahre vor Christus eine ganz ähnliche Herausforderung. Im besten Alter von schätzungsweise 16 bis 18 Jahren wurde er aus seiner Heimat Judäa in Palästina herausgerissen und von den Chaldäern in deren Hauptstadt Babylon verschleppt. Weit entfernt von den Eltern, von der gewohnten Umgebung, von der Religion der Väter und von den Perspektiven im Heimatland musste er neu beginnen. Wir überlegen uns, welche Fragen er sich gestellt haben könnte und wie er auf die Herausforderungen seiner neuen Umgebung reagiert hat.

 

Die Frage: Viele Menschen stellen sich in einer Talsohle irgendwann die Frage: Warum musste dies gerade mir passieren?

Daniels Antwort: Obwohl Daniel höchstwahrscheinlich nichts selbst zu seiner Verschleppung beigetragen hat, weiß er nur zu gut um den Grund für das Schicksal seines Volkes. Schon bevor das Volk Israel ins Land gelangte, hatte er den Menschen Segen und Fluch vorgelegt; Segen, wenn es innerhalb seiner Wege und Weisungen blieb, Fluch, wenn es davon abirrte (3. Mose 26). Daniel wusste darum, dass sie als Volk Gottes Bund gebrochen hatten. Noch mehr: Er schloss sich selbst nicht aus, sondern bekannte: „Wir haben gesündigt und haben unrecht getan und gesetzlos gehandelt; wir haben uns aufgelehnt und sind von deinen Geboten und deinen Rechtsordnungen abgewichen!“ (Daniel 9,5)

Die Erkenntnis: Unser Umfeld mag behaupten, dass die Entscheidung über Gut und Böse vom Einzelnen gefällt wird. Doch das stimmt nicht. Es gibt einen Gesetzgeber.

 

Die Frage: Wenn doch alles durch Materie und Energie gesteuert wird, hat dann das Leben letztlich einen Sinn?

Daniels Antwort: In der Antwort an den Herrscher Nebukadnezar stellt Daniel unmissverständlich klar, dass der Sinn der Geschichte von außen vorgegeben ist. Es gibt einen Gott, der alles geschaffen hat. Dieser Gott bestimmt Zeitpunkte. Er setzt Könige ab und ein. Dies geschieht nicht in Willkür, sondern im Hinblick auf das Ziel, sein Reich aufzurichten (Daniel 2,21-22; 2,43).

Die Erkenntnis: Unser Umfeld redet uns ein, dass wir unseren Sinn innerhalb dieses Lebens suchen müssen. Die Devise lautet deshalb YOLO (engl. „du lebst nur einmal“). Vor allem sind wir nur einmal jung und müssen tüchtig auf den Putz hauen. Die christliche Weltsicht hält dem entgegen, dass der Sinn von außen her kommt. Erst wer sein Leben von der ewigen Perspektive Gottes sieht, findet zu wahrhafter Freude.

 

Die Frage: Was beeindruckt mich besonders? Welchen Diktaten meiner Umgebung muss ich mich unterstellen, um gut anzukommen?

Daniels Antwort: Als verschleppter Jude kam Daniel mutmaßlich durch das riesige Ischtar-Tor nach Babylon. Er hielt sich nun im religiösen, intellektuellen und kommerziellen Zentrum seiner Zeit auf. Die neuen Normen wurden von den Priestern der Stadt und den Gelehrten der königlichen Ausbildung und vom Hofreglement des Palasts diktiert. Es ist anzunehmen, dass sich die meisten Verschleppten dieser Ordnung beugten. Daniel nicht, er nahm sich vor, beim Gesetz der Väter zu bleiben und sich nicht zu verunreinigen (Daniel 1,8).

Die Erkenntnis: Unsere Umgebung stellt viele Gesetze auf – religiöse, intellektuelle und kommerzielle. Lehrer und Mitstudenten sagen uns, wie wir denken, wie wir uns kleiden und wie wir unser Geld ausgeben sollen. Sehen wir uns als Menschen vor dem Einen großen Zuschauer oder fügen wir uns ohne Nachdenken ein?

 

Die Frage: Gibt es wirklich einen Gott, der über allem steht, oder stehen nicht alle Religionen gleichberechtigt nebeneinander?

Daniels Antwort: Wenn Daniel in Babylon spazieren ging, dann konnte er als Student der königlichen Ausbildung wahrscheinlich zahlreiche Tempel betreten. In der Stadt gab es zahllose Gebäude. In einem Tempel waren die goldenen Geräte des Tempels aus Jerusalem untergebracht (Daniel 1,2). Der Gott Israels wurde unter die zahllosen Götter der eroberten Völker eingereiht. Daniel sagte – dann schon im vorgerückten Alter – dem Herrscher Belsazar, der die Geräte aus dem Tempel genommen und sie für eine Festfeier missbrauchte, ins Gesicht: Jede Macht ist vom Allerhöchsten verliehen (Daniel 5,18).

Die Erkenntnis: Auch wenn heute der Gott der Bibel unter zahlreiche andere Religionen, Kulte und Ideologien einsortiert wird, ist er Gott der Götter. Er definiert, was Wahrheit ist. Von diesem objektiven Sachverhalt können wir vergleichen und große Unterschiede feststellen.

 

Die Frage: Was macht mich aus?

Daniels Antwort: Die neue Umgebung krempelte das gesamte Leben vollständig um. Daniel erhielt einen neuen Namen, natürlich aus dem Göttertempel der babylonischen Eroberer. Er musste sich vielen neuen Ritualen unterziehen, u. a. auch dem Essen von Opferfleisch und dem Trinken von Wein, der Götzen geweiht war. Er musste eine neue Sprache sprechen und die Inhalte der königlichen Akademie lernen (Daniel 1,4-5). Daniel nahm sich nicht das Leben, sondern durchlief die gesamte Ausbildung! Er stellte sich also dem Umfeld und zog sich nicht zurück. Er vergaß weder seinen Namen (Gott ist mein Richter), noch vernachlässigte er das Gebet (er pflegte es lebenslang; 6,11). Nach Jahrzehnten wusste er Bescheid über die Schriften Jeremias (9,2).

Die Erkenntnis: Die geistlichen Disziplinen des Gebets und des Lesens von Gottes Wort sind unverzichtbar – auch und gerade in der Zeit der Ausbildung. Sie geben dem Leben Halt und Richtung. Alles, was wir in dieser Zeit als Gewohnheiten ausbilden können, nützt uns im späteren Leben in Familie, Beruf und Gemeinde. Was ich heute säe, werde ich morgen und übermorgen ernten.

 

Die Frage: Was ist nicht erlaubt?

Daniels Antwort: Er wollte sich nicht mit dem Essen, das den Göttern geweiht worden war, verunreinigen. Dafür trat er jedoch nicht in den Hungerstreik. Er fasste den persönlichen Entschluss und fragte unter vier Augen beim Verantwortlichen nach. Zudem schlug er ihm einen weisen Kompromiss in Form einer Probezeit vor (Daniel 1,8-15).

Die Erkenntnis: Wir müssen uns darüber klar werden, wo die Grenzen sind. In der Freizeit können wir uns an vielen üblichen Vergnügungen (z. B. Saufgelagen) nicht beteiligen. Innerhalb der Ausbildung geht es darum, die christliche Weltsicht in weiser Form mit hineinzubringen. Das erfordert oft zusätzlichen Aufwand!

 

Die Frage: Was sind die offenen Fragen der geläufigen Denkweisen und Konzepte?

Daniels Antwort: Plötzlich wurden er und seine Freunde aufgefordert, zu einem Traum Nebukadnezars Stellung zu beziehen. Zuerst erbaten sie sich Zeit zum Gebet (2,15-19). Daniel trat einmal mehr mutig dazwischen, als die Dinge ihren Lauf nehmen sollten. Ausgerüstet mit einer Antwort Gottes stellten sie sich vor den obersten Herrscher. Daniel begann seine weise Rede mit dem Hinweis, woher seine Weisheit stammte. „Es gibt einen Gott im Himmel, der Geheimnisse offenbart“ (2,28).

Die Erkenntnis: Wir können damit rechnen, dass die Denkweisen der Umgebung an verschiedenen Stellen der von Gott gemachten Wirklichkeit widersprechen. Setzen wir uns aktiv damit auseinander. Gott wird uns die Gelegenheit schenken, sie zu entlarven – und wenn dies „nur“ vor einem Lehrer oder einer Gruppe von Mitstudenten ist.

 

Die Frage: Wie verhalte ich mich, wenn mein Gehorsam auf die Probe gestellt und ich mit Nachteilen bedroht bin?

Die Antwort von Daniels Freunden: Es kam der Tag, an dem die drei Freunde Daniels vor der großen Goldstatue Nebukadnezars standen und als einzige stehen blieben (3,12). Der Zorn des Königs kannte keine Grenzen. Die Freunde wissen, dass Gott in der Lage ist, sie vor dem Tod zu erretten oder auch nicht (3,17).

Die Erkenntnis: Gott wird unseren Gehorsam prüfen. Dies kann bedeuten, dass wir mit Konsequenzen konfrontiert sind. Schlechtere Zensuren, die verlorene Aussicht auf einen Arbeitsplatz. Wie die Freunde Daniels dürfen wir wissen, dass Gott gerade in solchen Engpässen dabei ist – auch dann, wenn die Konsequenzen eintreten.

 

Die christliche Weltsicht antwortet auf beide Herausforderungen der Spätmoderne: Sie stellt der Sicht, dass nur Materie die Welt regiert, einen persönlichen, unendlich erhabenen Gott gegenüber, der alle Dinge nach seinem Plan lenkt. Auch der Herausforderung, sich der Relativierung der Wahrheit zu beugen, gibt er durch das Beispiel Daniels ermutigende Hinweise, der göttlichen Ordnung treu zu bleiben. Gott ist denen nahe, die auf ihn vertrauen. Es ist kaum zu glauben, dass selbst der Herrscher Nebukadnezar eines Tages sang: „Nun lobe und erhebe und verherrliche ich, Nebukadnezar, den König des Himmels; denn all sein Tun ist richtig, und seine Wege sind gerecht; wer aber hochmütig wandelt, den kann er demütigen!“ (Daniel 4,34) Wo ist unsere Gelegenheit, für diesen mächtigen Gott mutig einzustehen?

Dieser Artikel wurde angeregt durch das ausgezeichnete Buch von John Lennox: Against the Flow, Lion Hudson: Oxford 2015.

Bibel/Nachfolge

Über den Autor

Hanniel Strebel (1975), verheiratet mit Anne Catherine, fünf Söhne, Vielleser und regelmäßiger Blogger. Er ist Betriebswirt (FH), Theologe (MTh, USA) und hat vor kurzem in Systematischer Theologie promoviert. Gott hat das Thema „Lernen“ als roten Faden in sein Leben gelegt. Seine Frau und er unterrichten ihre Söhne zusammen privat.

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