Ich häng‘ an dir…

03. Dezember 2017 0 Antworten von Betty

Es ist früh am Morgen, kurz nach sieben, dunkel draußen, stürmisch und ungemütlich. Ich bin heute als erste bei der Arbeit, krame also meinen Schlüsselbund heraus und öffne die Tür. Und in dem Moment kommt mir der Gedanke:„Mein ganzes Leben hängt an diesem Schlüsselbund“.

Ich weiß nicht, wie ich auf diesen Gedanken komme und ich habe bisher noch nie über so Dinge wie meinen Schlüsselbund nachgedacht, aber irgendwie wird mir heute einiges bewusst.

Was hängen da so für Dinge an meinem Bund? 5 Schlüssel, 1 Anhänger und ein Haken mit Einkaufschip.

So weit, so gut. Betrachtet man alle Schlüssel und ihre Bedeutungen, würde genau dieser Schlüsselbund ausreichen, um mein komplettes aktuelles Leben zu beschreiben.

Da gibt es den Hausschlüssel. Er ist der längste von allen und ich brauche nicht lange nach ihm zu suchen. Dieser Schlüssel bringt mich in mein Heim. An den Ort, an dem ich jeden Morgen aufwache und an dem ich jeden Tag beende. An den Ort, an dem ich Zuhause bin. An den Ort, den ich mit meinem Mann teile, an den Ort, an dem ich mich sicher und geborgen fühle. Mein Ruheort und meine Kreativwerkstatt, der Ort, an dem ich zwischen Haushalt, Kochen und Entspannung Entscheidungen treffe und den Alltag genieße.

Da gibt es noch einen Hausschlüssel, dieser passt in die Haustür meiner Eltern. Hier ist der Ort, an dem ich immer willkommen bin und die Menschen treffe, die mich bisher die längste Zeit meines Lebens geprägt und begleitet haben. Hier ist auch der Ort, an dem meine Geschwister aus ihren jeweiligen Wohnorten zusammenkommen, sodass wir als Familie vereint sind. Und nicht zuletzt ist es der Ort, mit welchem ich unzählige Erinnerungen verbinde.

Nun gibt es den Arbeitsschlüssel. Den größten Teil meines Tages verbringe ich an diesem Ort. 8 Stunden, 5 Tage die Woche. Der Ort, an dem ich das anwenden soll, was mir in Schule und Studium beigebracht wurde. Der Ort, der dafür sorgt, dass ich Geld verdiene. Der Ort, an dem ich immer wieder mein Verhalten überdenken muss.

Da gibt es noch den Kinderraum-Schlüssel. Damit ist der Raum in unserem Gemeindehaus gemeint, in dem ich wöchentlich gemeinsam mit einem tollen Team eine Kindergruppe leite. Er steht für mich aber für das Gemeindehaus insgesamt. Mehrmals die Woche bin ich hier, schon seit Kindheit an. Den Weg dahin würde ich wohl blind finden. Ein Ort, der auch für mich Zuhause bedeutet, ein Ort, den ich mit vielen Menschen verbinde, ein Ort, der einerseits zur Ruhe bringt, andererseits aber auch herausfordert. Auf jeden Fall ein Ort, den ich nicht missen will.

Der letzte Schlüssel ist der Autoschlüssel. Der bringt mich an ganz unterschiedliche Stellen. Treffen mit Freunden, Besuche bei Verwandten, Termine beim Arzt oder Behörden, Gottesdienste, Shoppingtouren. Er macht mich flexibel, unabhängig, lässt mich aber auch mal im Stau stehen oder mich freuen, dass ich’s noch bei Grün über die Ampel geschafft hab.

Dazwischen steckt noch ein Herz-Anhänger mit dem Namen meines Mannes und meinem und unserem Datum. Die Schrift ist schon sehr verblichen und kaum noch zu lesen, aber der Anhänger hat seinen festen Platz und wird von mir nicht entfernt werden. Er steht für meine Liebe, unsere Ehe und das „bis dass der Tod euch scheidet“.

Als kleinstes „Anhängsel“ gibt es dann noch den Einkaufschip. In wie vielen Einkaufswagen hat er schon gesteckt und mir die Arbeit abgenommen, voll bepackt durch das Geschäft zu laufen! Stecke ich ihn aber in einen Wagen, ist mein Portmonee nachher garantiert leerer, als wenn ich ihn nicht dabei hätte. 😉

Wohnort, Familie, Beruf, Freizeit, Glaube, Mobilität, Partnerschaft und Konsum – all das steckt an einem Bund, in einem Leben.

Welcher Anhänger wiegt am meisten? Welchen Stellenwert nehmen die einzelnen Bereiche in meinem Leben ein? Gibt es etwas, was ich einfach mal abhängen sollte, um meinen Fokus auf das Wichtige im Leben zu setzen?

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Psalm 90,12)

Was von diesen Dingen, die momentan mein Leben ausmachen, bringt mir was für die Ewigkeit? Wie viel Zeit verschwende ich mit Nebensächlichkeiten, die zwar gewissermaßen notwendig sind (wie der Job, Einkaufen, Freunde treffen, …), aber nicht mein Leben bestimmen sollten.

Wenn mir der Schlüsselbund mit all seinen Elementen mal verloren geht, hab ich dann noch etwas, das mein Leben ausmacht? Gibt es etwas, was mir dann noch bleibt?

Ja, ich hoffe doch! Und zwar das, wovon ich abhängig bin, das, woran alle meine „Lebensschlüssel“ hängen – die Gnade Gottes! Die Gnade Gottes ist vollkommen, sowie der Schlüsselring, der als Kreisform vollkommen ist. Ohne diesen Ring würden alle Schlüssel und Anhänger nur lose herumliegen, nur durch ihn bekommen sie erst einen Zusammenhang und von ihm werden sie gehalten. Genauso bekomme ich den Halt, den Sinn im Leben nur durch meinen großen Gott, der alles so in meinem Leben zusammengefügt hat, wie es für mich am besten ist. Der Gott, der bestimmt, welcher Schlüssel ausgetauscht werden sollte, der Gott, der alles so für mich führt, wie es für mich am besten ist! Der Gott, der mir all diese Dinge überhaupt gegeben hat.

Der Gott, der mir an einem tristen Herbstmorgen den Gedanken ins Herz gegeben hat, mir meinen Schlüsselbund einmal genauer anzuschauen 🙂

„Meine Seele hängt an dir, deine rechte Hand hält mich!“ (Psalm 62,9)

Wie könnte ich ohne Ihn leben?!

Bibel/Nachfolge

Über den Autor

Betty Krüger, geboren 1994, hat es wieder an ihre alte Schule verschlagen, in der sie vorübergehend als Pädagogiklehrerin tätig ist. Sie liebt es Zeit mit ihrem Mann in der Natur zu verbringen, ihre Familie und Freunde zu sehen, Musik zu hören und zu machen, zu fotografieren oder auch mal ein gutes Buch zu lesen. Die Mitarbeit in einer Kindergruppe in ihrer Gemeinde in Soest macht ihr viel Spaß.
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