Psalm 2: Was Advent bedeutet

10. Dezember 2018 0 Antworten von Jonathan

In der Adventszeit hetze ich oft von Besinnung zu Besinnung. Alles soll ja entschleunigt sein, man strengt sich an, um zur Ruhe zu kommen…fast schon paradox, oder? Auf was wollen wir uns eigentlich besinnen und ausrichten? Wo suchen wir unsere adventliche Ruhe?

In der Bibel spricht Psalm 2 von getriebenen, rebellischen Menschen, ohne Ruhe und Pause. Einem Gott, der gerecht ist und seinem einzigartigen König.

Gottes Herrschaft wird abgelehnt (V.1-6)

Weshalb spricht Ps 2 überhaupt davon, dass Gott einen König eingesetzt hat? Gott wollte doch König über sein Volk sein? Das war es doch, was diesen Gott so anders machte?

Die Verse 1-6 zeigen uns etwas über die Situation Israels damals: Gottes Herrschaft wurde von den Menschen als einengend und grundsätzlich negativ verstanden. Gottes König wurde bekämpft, noch bevor er seine Regierung überhaupt angetreten hatte. Lies einmal in den Samuelbüchern, wie David zum Beispiel unter Sauls Verfolgung gelitten hat:

„Die Könige der Erde lehnen sich auf, die Herrscher der Welt verschwören sich gegen den Herrn und seinen Gesalbten.“ (V.2)

Die Adventszeit erinnert uns daran, dass unser menschliches Leben im Grunde nicht anders ist, als das der Völkerwelt damals. Ein Gott, der nicht in erster Linie für mich und meine Bedürfnisse da ist? Ein Gott, dessen Geschöpfe ihn um seiner selbst willen lieben sollen? So ein Gott passt in keine Epoche, keine Gesellschaft und erst recht kein einzelnes menschliches Leben.

In den letzten Wochen haben wir als Josia-Netzwerk viel zur Thematik des Götzendienstes veröffentlicht: Hat dir das geholfen, Götzen in deinem Leben zu identifizieren? Hast du vielleicht Menschen in deinem Freundeskreis, deiner Klasse, Familie, …, die Gott nicht als König über ihrem Leben akzeptieren wollen? Bringen dich diese Menschen schier zur Verzweiflung, weil sie das beste, das ihnen passieren könnte, ablehnen? Schon der zweite Psalm spricht davon, dass wir Menschen das immer tun: Wir wollen König sein.

Gott, unvergleichlich gut und vollkommen, darf das nicht dulden. Über diesen „Zwergenaufstand“ kann er nicht hinwegsehen: Gott will Gerechtigkeit und Ordnung wiederherstellen. Auch das ist die Botschaft des Kommens Jesu: Diese Welt will ihr Leben ohne Gott führen. Aber dafür hat er sie nicht geschaffen.

Advent ist notwendig, denn: Gottes Geschöpfe, seine Menschen, leben im Aufstand gegen ihn.

Gottes König = Gottes Sohn? (V.7-9)

David stand mit Gott in einer Art „Vertragsverhältnis“, einem „Bund“. Damals war es üblich, dass der überlegene König seinen Vertragspartner als „Sohn“ ansprach. Ein Sohn war stets auch Repräsentant seines Vaters. Ihm hatte er Achtung zu zollen. Sohnsein bedeutete, die Ehre des eigenen Vaters vermehren zu wollen.

So hatte auch Gott David als seinen stellvertretenden Herrscher eingesetzt:

„Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt. Fordere von mir, und ich will dir die Nationen zum Erbteil geben, zu deinem Besitz die Enden der Erde. Mit eisernem Stab magst du sie zerschmettern, wie Töpfergeschirr sie zerschmeißen.“ (V.7-9)

Davids Herrschaft stand unter Gottes Segen. Gott unterwarf einen Teil seiner Feinde, indem er David militärische und politische Erfolge schenkte. Ist das nicht unglaublich? Wenn Gottes Gesalbter herrscht, dann hat das nicht Unrecht und Unterdrückung zur Folge, sondern er beseitigt sie sogar. Sein Regierungsprogramm lautet: Gerechtigkeit.

Wie viel größer und vor allem andauernder als der Sieg Davids ist der Sieg Jesu! Paulus spricht davon, dass wir die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu erkennen können (1Kor 4,6). Jesus bringt einer verlorenen Welt, die in Feindschaft gegen ihn lebt, wieder Ordnung. Gott hat seine Schöpfung nicht sich selbst überlassen. ER hält sie weiterhin in seiner Hand.

Advent heißt: Gott selbst kommt in eine sündige Welt, um Gerechtigkeit wiederherzustellen. Gott ist Richter.

Gottes König bringt Gericht oder Frieden (V.10-12)

David führte als König ein Amt, mit dem er sein ganzes Volk repräsentierte: Israels Auftrag war es „…ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation [zu] sein.“ (Ex 19,6)

Gott hatte sich dieses Volk, diesen König, erwählt, um die rebellische Menschheit mit sich zu versöhnen. Falls du dich einmal gefragt hast, ob es so etwas wie Mission schon im Alten Testament gab, dann schau dir diesen Psalm an.

Den Feinden seines Volkes bietet Gott an, umzukehren, an ihn zu glauben. Sich David zu unterwerfen hätte geheißen, sich ihm militärisch nicht mehr zu widersetzen. Keinen Krieg mehr gegen ihn zu führen. An Israels Gottesdiensten teilzunehmen. Sich von den toten Götzen abwenden, hin zum lebendigen Gott:

„Und nun, ihr Könige, handelt verständig; lasst euch zurechtweisen, ihr Richter der Erde! Dienet dem HERRN mit Furcht, und jauchzt mit Zittern!“ (V.10+11)

Durch Jesus hat Gott uns Frieden angeboten. König Jesus hat seinen Kampf anders gekämpft, als das Könige sonst tun, seine Feinde anders besiegt. Jesus hat sich für uns gedemütigt und aufgeopfert. Die Adventszeit kann man ohne Karfreitag und Ostern nicht verstehen. Es blieb ja nicht beim Baby in der Krippe. Es wurde ein Mann, der sich am Kreuz von Golgatha aus seinen Feinden ein großes Volk an Nachfolgern geschaffen hat. Ein König, der seinen Feinden keine Vernichtung androht, sondern für sie stirbt – ein ganz anderer König.

Wenn du zu diesem König gehörst, dann freue dich in dieser Adventszeit umso mehr über seine unfassbare Liebe, mit der er seine Feinde geliebt hat. Freue dich an seiner Herrschaft, die dein Leben verändert. Und bitte vor allem für so viele Menschen, die kein Interesse an diesem wunderbaren, einzigartigen König haben.

Advent bedeutet: Gott bietet allein durch seinen König auch seinen schlimmsten Feinden Versöhnung an.

Allein Gottes König ist es wert, dass wir ihm vertrauen

Kennst du diesen König? Es gibt keinen König wie ihn. Niemand vor oder nach ihm ist so demütig, gnädig, geduldig und aufopferungsvoll mit seinen Feinden umgegangen. Keiner außer ihm kann und will ihnen echten Frieden und wahre Ruhe schenken, statt gerechte Strafe auszuführen:

„Glücklich alle, die sich bei ihm bergen!“ (V.12)

Advent bedeutet: Gott selbst beschenkt seine Feinde. Auch dich?

Bibel/Nachfolge

Über den Autor

Jonathan Malisi (*1996) studiert evangelische Theologie an der FTH in Gießen. Er liest gerne und viel, schätzt es zu denken und ist regelmäßig auf seinem Fahrrad unterwegs. Vor allem wünscht er sich, Menschen darin unterstützen zu können, Jesus mehr zu lieben und gerne mit ihm zu leben. Jonathan ist Mitglied der Immanuelgemeinde in Wetzlar.
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