Interview mit „Glaubensgerechtigkeit“

08. Juli 2018 0 Antworten von Jonathan

Das vorliegende Interview haben wir mit Tim Dippel (T) und Sven Hauser (S) geführt, die gemeinsam den YouTube-Kanal „Glaubensgerechtigkeit“  betreiben. Auf diesem werden Predigten und Andachten von bekannten und weniger bekannten Predigern aus der Kirchengeschichte als Hörbücher zur Verfügung gestellt.

Im Folgenden berichten beide uns von ihrem Dienst, ihren Beweggründen und verschiedenen Herausforderungen…

1. Erzählt uns ein bisschen etwas über Euch selbst…

T:

Mein Name ist Tim, ich bin 29 Jahre alt und momentan arbeite ich bei der Post; ich beginne jedoch im Oktober 2018 ein Lehramtsstudium für Chemie & Biologie.

Ich besuche hier im bergischen Land eine kleine reformatorische Gemeinde, in welcher ich auch Mitglied bin.

S:

Ich heiße Sven, bin 26 Jahre alt und lebe im Süden Deutschlands. Beruflich arbeite ich in einer Großhandelsfirma als Netzwerkadministrator in der IT-Abteilung. Mittlerweile bin ich seit ca. sieben Jahren dort.

Der Pastor meiner Gemeinde kommt aus den Staaten und wurde als Missionar hierher gesandt, um den Amerikanern hier in der Umgebung einen Ort zu bieten, an dem sie Gottesdienst feiern könnten. Ein Bruder und ich übernehmen die Übersetzung der Predigten ins Deutsche.

 

2. Wieso und wie habt Ihr Eure Arbeit angefangen?

T:

Vor einigen Jahren wollte ich lediglich einen Kanal erstellen, auf welchem das Neue Testament als Hörbuch abzurufen ist. Da ich eher ein auditiver Lerntyp bin, habe ich mir oft viele Vorträge, Predigten und Andachten angehört. Das meiste davon war aus dem englischsprachigen Raum. Dort gab es einige Dienste, die ebenfalls ältere Andachten vertont hatten. Der Wunsch diese ermutigende Botschaft von der souveränen Gnade Gottes an andere weiterzugeben, führte letztlich dazu, dass ich anfing, kleinere Andachten und Predigten von C.H. Spurgeon zu vertonen.

Nach einiger Zeit versuchte ich dem Ganzen eine gewisse Struktur zu geben, was sich jedoch als nicht so einfach herausstellte. Als jedoch Sven mit dazu kam, konnten wir die Aufgaben verteilen und uns gegenseitig ermutigen, weiter zu machen.

S:

Ich mag neue Herausforderungen. Ebenso habe ich von Hörbüchern und Predigten profitiert, da man sie ohne weiteres beim Fahrradfahren oder während der Hausarbeit hören kann. Deshalb wollte ich etwas von dem weitergeben, was ich selbst von anderen empfangen habe. Daneben war die Basis das Verlangen, anderen Menschen den Trost und die Wahrheiten über Christus, die mir sehr geholfen haben, weiterzugeben.

 

3. Ihr seid ja aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Wie habt Ihr Euch gegenseitig kennengelernt?

T:

Im letzten Jahr begann ich vermehrt dafür zu beten, diesen Dienst mit jemandem zusammen zu machen, da der Arbeitsaufwand manches Mal recht intensiv wurde und es mir zu gewissen Zeiten auch an Motivation fehlte. Nach einiger Zeit dann habe ich auf YouTube den Kanal „TheologiaDE“ gefunden. Diesen führte Sven damals und veröffentlichte dort auch ähnliche Inhalte. Deshalb fragte ich ihn, ob er nicht Interesse hätte, dieses gleiche Anliegen gemeinsam umzusetzen.

Seit letztem Jahr nun haben wir eine Struktur und ein Konzept zusammengestellt, mit welchem wir dann im Neujahr 2018 begonnen haben.

S:

Das erste Mal haben wir uns bei einer Gemeindefreizeit getroffen, ganz am Ende. Haben nur ein paar Worte ausgetauscht. Und etwas getrocknetes Fleisch südafrikanischer Art.

Einige Monate später jedoch kommentierte Tim unter einem Video aus meinem alten Kanal. Er wusste jedoch nicht, wer dahintersteckt. Dadurch kamen wir dann näher in Kontakt. Ich musste schmunzeln, als ich Tim dann sagen konnte, dass wir uns schonmal getroffen hatten.  Zuerst haben wir uns per Email ausgetauscht, etwas später kam es dann auch zu persönlichen Treffen.

 

4. Was fordert Euch an Eurem Dienst heraus?

T:

Da wir beide in Vollzeit arbeiten, ist es wohl der Zeitaufwand, der mit dem ganzen verbunden ist. Da wir die Veröffentlichungen nun mit einem geregelten Zeitplan verbunden haben, wird es manchmal knapp, rechtzeitig alles fertig zu bekommen. Die gewonnene Erbauung durch das Lesen dieser guten Schriften macht aber jeden Zeitaufwand definitiv wett.

S:

Wir haben am Anfang ein sehr gutes Konzept ausgearbeitet, was die Zeitplanung angeht. Das hilft ungemein dabei, nicht in Zeitdruck und Stress zu verfallen. Manchmal ist es etwas aufwendig Andachten für die „Schätze der Gnade“ Reihe zu finden. Man möchte ja gute Inhalte weitergeben.

Nach einer Aufnahme, die meistens so 20-50 Minuten geht, sind meine Stimmbänder auch am Ende. Neben dem Vorlesen kostet das Bearbeiten der Tonspuren bei mir sehr viel Zeit. Für eine Aufnahme von 15 Minuten kommt noch eine Bearbeitung von ca. 60 Minuten dazu.

 

5. Was motiviert Euch, diesen Dienst weiter wahrzunehmen?

T:

Die Tatsache, dass Gott sein Volk in der Kirchengeschichte durch viele Verkündiger gesegnet hat und wir hoffen, dass gnadenhungrige Seelen durch die Schriften dieser von Gott gebrauchten Männer im Glauben ermutigt werden.

S:

Die frohe Botschaft des Evangeliums, die Befreiung bringt: Menschen, die niedergeschlagen sind, gebrochen durch die eigene Unfähigkeit und der Vollkommenheit des Gesetzes, Trost zu spenden. Wir hoffen, dass unsere Hörer in der Erkenntnis Christi wachsen und Heilsgewissheit erfahren.

 

6. Habt Ihr ein besonderes Vorbild/jemanden, von dem ihr viel gelernt habt, unter den Autoren, die Ihr vertont? Wenn ja, warum gerade er?

T:

Für mich ist es der schwedische Erweckungsprediger C. O. Rosenius. Das Thema in seinen Andachten findet seinen Höhepunkt immer im Ruhm der Gnade. Er lehrte mich wie kein anderer das Evangelium und die Aufgabe des Gesetzes besser zu verstehen. Er hat Luthers Verständnis von der Rechtfertigung am besten verstanden, darum wird er wohl auch für lange Zeit weiter ein Glaubensvorbild sein. Ich kann nur wärmstens sein Andachtsbuch „Tägliches Seelenbrot“ empfehlen.

S:

Drei Autoren, die ich sehr schätze, sind Puritaner: John Owen, Ralph Venning und Richard Sibbes. An Owen fasziniert mich immer wieder, wie er das Leben im Glauben betont, das Blicken auf Christus, weg von uns selbst. Bei Venning ist es das von Gott abhängige Leben. An Sibbes schätze ich den Stellenwert des Herzens, denn Gott lässt sich nicht von Äußerlichkeiten ablenken.

 

7. Wie kann man Euch unterstützen/Eure Arbeit bekannt machen?

T:

Betet für uns, dass der Herr uns Freude an seiner Person und seinem Evangelium erhält und schenkt, damit wir diesen Dienst auch weiterhin gerne tun.

Wir suchen auch noch jemanden, der sich mit gängigen Videobearbeitungsprogrammen auskennt und einen Teil der Verwaltung der Homepage mitträgt. Wer also gerne aus Freude am Evangelium in dieser Form ehrenamtlich mit seinen Begabungen mitmachen möchte, kann uns gerne kontaktieren.

S:

Dem kann ich mich nur anschließen! Ansonsten, teilt vor allem auch unsere Inhalte.

 

8. Was möchtet Ihr den Lesern für ihr Leben mit Jesus mitgeben/empfehlen?

T:

Der natürliche Mensch besitzt auch nach seiner Bekehrung einen starken Hang zur Selbstgerechtigkeit, Gesetzlichkeit oder Gesetzlosigkeit. Diese Tatsache wird sich auf sein Leben negativ auswirken. Die Botschaft des Evangeliums hingegen ist unserer natürlichen Neigung so fremd, dass wir es kaum für wahr halten können, dass Gott uns in Christus so gnädig ist. Diese Botschaft von der Glaubensgerechtigkeit in Christus wird dann niemals langweilig, sondern immer eine herzerwärmende Begegnung eines armen Sünders mit einem gnädigen Heiland.

S:

Die Annahme vor Gott beruht nicht auf unseren frommen Werken, noch unseren Gefühlen, noch unserer Erkenntnis. Allein durch Christus. Somit leben wir nicht im Schauen auf diese Dinge, sondern im glaubenden Vertrauen an den Herrn und seine Gerechtigkeit. Denn wir sind alle bedürftige Sünder. Am Kreuz ist der Boden eben, niemand hat dem anderen etwas voraus, keiner hat Gerechtigkeit aus sich selbst vorzuweisen. Es ist nicht nötig, uns zu verstecken oder stark zu tun. Christus ist gekommen, Sünder zu erretten. Er will uns täglich trösten.

 

Vielen Dank für das Interview!

Menschen

Über den Autor

Jonathan Malisi (*1996) studiert evangelische Theologie an der FTH in Gießen. Er liest gerne und viel, schätzt es zu denken und ist regelmäßig auf seinem Fahrrad unterwegs. Vor allem wünscht er sich, Menschen darin unterstützen zu können, Jesus mehr zu lieben und gerne mit ihm zu leben. Jonathan ist Mitglied der Immanuelgemeinde in Wetzlar.
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